Ein ganzes Leben in einem Buch

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
lunaciel Avatar

Von

»Die Welt bringt immer wieder Überraschungen.
Nichts ist endgültig.«

Jedoch hielt die Geschichte, trotz großer Erwartungen meinerseits, keine besonderen Überraschungen bereit.

Ich persönliche finde es sehr schwer und auch riskant eine komplette Lebensgeschichte in ein Buch zu packen. Es kann funktionieren, allerdings nicht in diesem Fall.
Der Schreibstil ist soweit gut zu lesen. Fremdwörter werden erklärt. Auch ein Erklärungsregister ist vorhanden, dass allerdings zu Beginn des Buches besser aufgestellt wäre, als am Ende, denn nicht jeder der ein Buch zu lesen beginnt, schlägt die letzten Seiten auf.
Die Geschichte um Chong wird sehr, sehr ausführlich, präzise und detailreich beschrieben, wodurch einige Szenen sehr langatmig erscheinen. Problem hier bei allerdings ist, dass keine Gefühle herausgearbeitet wurden, weder die des Hauptcharakters Chong noch sonstiger Personen. Aus diesem Grund blieb Chong für mich ein fast unbeschriebenes Blatt, dessen Gefühle nicht heraus kamen und ich nie wusste was sie denkt oder fühlt, weshalb auch bestimmte Handlungen ihrerseits für mich nicht nachvollziehbar und unverständlich waren. Zum Beispiel lässt sie eine der wichtigsten Menschen, für den sie Verantwortung übernommen hat, der alles für sie ist, zurück, nur um ein neues Leben zu beginnen. Welche Gedanken, Gefühle, Sorgen etc. in ihr vorgingen erfährt man nicht, was sehr schade ist. Die Geschichte wirkt daher mehr als eine Abfolge mehrerer Handlungen, die abgearbeitet wurden. Es wäre spannend gewesen die menschliche Gedankenwelt von Chong mit zu erleben, besonders da diese Geschichte in einer früheren Zeit und Kultur spielt.
Bedauerlicherweise wird wenige Male von Liebe gesprochen, die Chong zu Männern aufbaut. Jedoch tauchen die Männer auf und verschwinden wieder. Welchen Stellenwert sie in ihrem Leben hatten, wenn sie von Liebe spricht und was Liebe für sie bedeutet bleibt unklar. Nur bei ihrem letzten Ehemann merkt man, dass Chong eine etwas tiefere Beziehung zu ihm gehabt hat. So wirkten auch einige Nebencharakter nur als Mittel zum Zweck auf mich. So gibt es stets einen großen Wechsel und immer neuer Charakter, weshalb ich zu Ende des Buches nicht mehr wirklich unterscheiden konnte wer wer ist. Außer höchstens ein, zwei Personen, die im letzten Drittel stets an Chongs Seite sind.

Fazit:
Leider konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Für mich war es eine reine Erzählung von ablaufenden Handlungen ohne Gefühle oder Einblicken in die Gedankenwelt des Hauptcharakters. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass aufgrund der Sprachunterschiede, beim Übersetzen aus dem koreanischen ins deutsche viel verloren gegangen ist und die Geschichte somit sehr „gefühllos“ auf mich erscheint.
Hätte das Buch mehr Tiefe gehabt, wäre es bestimmt eine sehr bewegende Geschichte geworden.