Gefühllos

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gackelchen Avatar

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Worum es geht:

Basierend auf der koreanischen Legende um Shim Cheong, ein Mädchen dessen Mutter bei der Geburt stirbt und von ihrem blinden Vater aufgezogen wird, viel arbeiten muss um dann ihr Glück zu finden, versucht sich Sok-Yong an einer realistischeren Version. Seine Shim wird schnell verkauft und macht sich einen Namen als Prostituierte. Eine Odysee durch Asien und viele Betten muss sie über sich ergehen lassen. Dabei ist sie niemals das Opfer, sondern verliert nie ihr Ziel vor Augen, unabhängig zu sein und sich selbst zu gehören.


Meine Meinung:

Mit "die koreanische Version von "Die Geisha"" wurde das Buch angepriesen und ebenso wie Die Geisha wurde Lotosblüte von einem Mann geschrieben. Ich habe Die Geisha nie gelesen, nur den Film gesehen, daher kann ich nicht vergleichen, aber hier störte es mich sehr, dass ein Mann die Geschichte von Chong schreibt.
In vielen Szenen wusste ich nicht ob es am Stil, der Figur Chong als solche oder an die mir fremde Kultur lag, dass ich nicht richtig warm wurde mit dem Buch. Lanwha, wie Chong nach dem ersten Verkauf genannt wird, blieb mir bis zum Schluss zu Distanziert, zu verschlossen. Ein einziges Mal weint sie, jeder Schicksalschlag wird anstantslos hingenommen. Sie ist Stark und ihr einziges Ziel im Leben ist Macht, und das am liebsten über Männer. Also nutzt sie aus, dass sie eine Prostituierte ist und versucht die Männer um sich so zu manipulieren, wie es ihr passt. Nie scheint sie sich zu fragen was sie machen könnte, ausser mit Männer zu schlafen.
Sok-Yong beschreibt den Leidensweg Chong sehr detailreich, verliert sich teilweise in ausschweifigen poetischen Bildnissen, nur um dann wieder sehr explizit die Vierfach-vergewaltigung Chong's zu beschreiben.
Er nutzt Lenwhas Schicksalschläge um dem Leser die Geschichte Asiens näher zu bringen. Befinden wir uns ursprünglich kurz in Korea, verschlägt es sie durch mehrere Orte Chinas und Singapurs. Während sie die Männer bespasst hat alles einen Zusammenhang mit der Politik, dem Opiumhandel, den Europäern die Handel betreiben wollen. Und immer ist die Lotosblüte vor Ort, sticht hervor, wird weitergereicht.
Kleine Unstimmigkeiten waren vorhanden, die mich stutzen liessen. Heisst es in der ersten Hälfte viel "Um 7 Uhr kamen die ersten Kunden und die Mädchen warteten bereits", wurde ihr später erst die Uhr und das Konzept der Zeit erklärt.
Sie ist zu Beginn einmal so verliebt, dass sie den Jungen heiratet. Sie werden schnell wieder voneinander getrennt und sie verschwendet nie wieder einen Gedanken an ihn.
Bis zum Ende wurde ich nicht warm mit Lanwha, ich glaube immer noch eine Frau hätte mehr Gefühl in die Geschichte gelegt. Vor allem dieses praktmatische Handeln passte für mich nicht zu der von mir erwarteten Story.
Aber ich glaube am meisten gestört hat mich wahrscheinlich, dass sie immer hervorsticht als extra. Sie ist die schönste, die Klugste, die Unabhängiste, und alle Männer sind verrückt nach ihr. Natürlich mag sie auch jede Frau die ihr über den Weg läuft und hat nie ärger mit den anderen Mädchen. Alle aktzeptieren und respektieren sie, kommt neu in ein Haus und wird gleich "befördert", alle lieben es. Sosehr ich mir wünsche, dass Frauen sich nur unterstützen und gegenseitig lieben, sosehr glaube ich auch, dass in einem Haus mit 20 Zwangsprostituierten die jede Nacht 30 Männer empfangen müssen, die Stimmung nicht konstant heiter ist. Aber da das Buch auf einer märchenhaften Legende basiert, sollte ich wohl nicht zusehr nach Realismus darin suchen.