Magier von Montparnasse

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emily Avatar

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Paris, 1926, im Gasthaus „Jardin“ wohnen unter anderem auch der Magier Ravi und seine Assistentin Blanche. Bei ihrer letzten Vorstellung im Varieté geschieht ein Unglück, der Mechanismus eines Zauberutensils funktioniert nicht, Ravi kann Blanches Leben nur retten, in dem er echte Magie anwendet. Doch damit verstößt er gegen die Regeln der Société Silencieuse. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen, schon bald wird er von deren Vertretern aufgesucht. Aber noch viel unheimlicher als diese Besucher ist die Tatsache, dass von nun an ständig Sonntag ist. Niemand weiß, warum sich der Tag ständig wiederholt. Hängt es mit dem geheimnisvollen Zauber zusammen, der Blanche in einen Schneewittchen-Schlaf fallen lies? 

 

Oliver Plaschka schafft in „Die Magier von Montparnasse“ eine zauberhafte Atmosphäre, die mich an den Film “Prestige” erinnerte. Die Beschreibungen des „Jardin“ versetzen den Leser in das Paris der 20er Jahre, man meint fast den Duft der Croissants zu riechen, die von der Bedienung Justine zum Frühstück serviert werden. Gleichzeitig ist der Roman ein einziges großes Rätsel, denn auch die Protagonisten wissen nicht, wieso sich dieser eine Tag ständig wiederholt und sind auf der Suche nach der Lösung. Die ständige Wiederholung tut der Welt nicht gut, sie verliert an Farbe und Energie, alles wird trüb und trübsinnig.

 

Die Geschichte wird aus der Perspektive von sieben verschiedenen Personen erzählt, wobei die Bedienung Justine eine herausragende Rolle spielt. Nicht nur, weil sie scheinbar nicht ganz so fest an die Wiederholung gebunden ist wie andere. Ist sie die Lösung des Rätsels? Durch die Perspektivenwechsel bleibt die Handlung sehr abwechslungsreich. Es ist interessant, selbst ähnliche Handlungsabläufe aus gänzlich anderer Sicht betrachtet zu sehen. Interessant war auch das Spiel mit den Möglichkeiten, selbst kleine Abweichungen im Handeln können zu gänzlich anderen Ergebnissen führen.

 

Es fällt mir schwer, den Zauber des Buches in Worte zu fassen. „Die Magier von Montparnasse“ ist keine leichte Unterhaltungsliteratur, es läd zum miträtseln und mitdenken ein, vieles geschieht in Träumen oder wird in Bildern dargestellt. Es ist keine klassische Fantasy, in einem Interview auf Fantasyguide bezeichnete Oliver Plaschka das Buch als „urban fantasy vor einem historischen Hintergrund", der Interviewer als "magisch-realistisches Kammerspiel". Wie auch immer man das Buch einordnen möchte, eines ist es ganz sicher: fantastisch.