Das Leid des einen die Kraftquelle für den andern?

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kolporteuse.mec Avatar

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Die Anfangskapitel der Leseprobe haben mich überzeugt: dieser Freiheitsdrang, der Wille, dem Gipskorsett zu entkommen und die tröstliche Zwiesprache mit der Oma unter dem Magnolienbaum hatte mir Lust auf mehr gemacht. Als ich das Buch zur Rezension erhielt folgte die Enttäuschung auf dem Fuße:
Ersten muss ich(erst jetzt!!!) erfahren, dass die Geschichte von einer Schreibhandwerkerin und nicht aus eigenem Erleben erzählt wird- da regt sich in mir Widerstand, denn mein Interesse an einem Ghostwriter-Text ist minimal: ich habe das Gefühl das jugendliche Gipskorsett wird nun durch ein mentales SchreibwerkstattsKorsett ersetzt-mir fehlt einfach die Echtheit der Impressionen.....und gewiss ist der Text flüssig zu lesen, manchmal blumig oder onomatopoetisch aufgepeppt aber man braucht nicht nach Formulierungshighlights zu suchen, um genüsslich innezuhalten, statt individueller Eindrücke erklingt für mich oft der Tonfall eines normalen Reiseprospektes für Indien oder es wird das esoterische Register gezogen.
Zweitens liegt der Focus des Buches auf spiritueller Selbstfindung ,was mir, die ich noch NIE Spirituelles erfahren habe und auch nicht zu derlei Wahrnehmungen neige, ein positives Urteil sehr schwer machen wird; aus Sabrinas jugendlichem Freiheitsdrang und der Suche nach Vertrauenswürdigkeit und Liebe wird der tägliche Kampf mit Ängsten aller Art und ein Selbstfindungstrips mit erwartbaren Höhen und Tiefen. Recht wenig überzeugend, nach all den Problemschleifen, die die Mutter Sabrina auf 320 Seiten geflogen ist, wirkt der letzte Satz zur kleinen Tochter Lana:"Auf dich wartet ein wunderschönes Leben“Wie happy ist dies end wohl wirklich?
Mir ist das Ganze zu konstruiert und ich glaube auch, dass es Lesern in ähnlicher Gemütslage wie Sabrina (lebenslang eingeengt durch persönliche Konstellationen)nicht helfen kann-würde man doch hier den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Mein Aufruf: lasst wahre Geschichten erzählen von denen, die sie erlebt haben und wenn das handwerklich nicht reicht für die Vermarktung im Literaturbetrieb dann wird eben kein Buch draus und die Biographie bleibt -ungeschliffen von einer Schreibseminar-und Kraftquellenspezialistin-
auf Mund-zu-Mund Propaganda angewiesen.