Ein faszinierender Einblick

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annabas Avatar

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Inhaltsangabe:

Der Russe Sosim, der Italiener Giuseppe, der Inder Sunil und die Schweizerin Inez haben sich auf der Universität in Leeds kennengelernt – und dort haben sie auch beschlossen, ihr Wissen aus dem Ökonomie-Studium in einer ganz anderen Art einzusetzen als vorgesehen: sie wollen bei den ganz großen Wirtschaftsverbrechen mitmischen. Doch in Marseille bekommen sie es mit einer Realität zu tun, welche alle Theorie sprengt: ein korsischer Mafiaboss, korrupte Beamte, ein südamerikanischer Drogenhändler, der in der Stadt Fuß fassen will und nicht zuletzt Kommissarin Bourdet, die ihr Marseille schützen will, wenn auch mit ganz eigenen und nicht immer ganz legalen Methoden ...

Der erste Satz:

Die Wölfe strichen unter dem Riesenrad entlang und näherten sich gegen den Wind der Autoscooter-Anlage.

Meine Meinung zum Buch:

Der Autor hat hier eine sehr komplexe Geschichte erdacht, welche dem Leser einige Konzentration abverlangt. Immer neue Zusammenhänge tauchen auf, immer schneller werden Seiten gewechselt und immer stehen die jeweils eigenen Interessen der handelnden Personen im Vordergrund. Dafür geht man ohne Bedenken über jede Leiche – egal ob Freund oder Feind, egal ob Polizei oder Verbrecher. 

Mich hat beim Lesen fasziniert, wie die Verbrecherwelt beschrieben wurde. Wenn es auch keine „normalen“ Menschen in dem Buch gibt (und es gibt sicherlich in Marseille viele davon), so verstärkt sich durch diese Konzentration das Bild, das man von der „Szene“ bekommt. Erschreckend und glaubwürdig war die Brutalität, mit der vorgegangen wird und ich kann mir auch vorstellen, dass die Polizei mit „normalen“ Ermittlungsmethoden auf verlorenem Posten stehen würde – auch wenn das gegen mein persönliches Rechtsempfinden geht. 

Eine sympathische Figur darf man nicht erwarten, auch Kommissarin Bourdet ist mir zu hartgesotten und hängt zu sehr am „Zweck, der die Mittel heiligt“, um positiv zu wirken. Allerdings erfahren wir auch zum Teil, warum sie so wurde, wie sie jetzt ist – und das lässt den Leser zumindest verstehen, warum sie tut, was sie tut. 

Die übrigen Figuren sind eher flach charakterisiert, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Sie definieren sich durch das, was sie sind und was sie tun und man hat ein ziemlich gutes Bild von ihnen vor sich. Und spannend ist das Buch auf jeden Fall, denn als Leser möchte man unbedingt wissen, wer hinter welchem Ereignis steht und wie die Gegenseite darauf reagieren wird – und natürlich wollte ich wissen, ob hier am Ende das Gute glaubwürdig siegen kann bzw. ob es in so einer Welt überhaupt ein gutes Ende geben kann. 

Ich fand das Buch hoch interessant, denn es gewährt einen Einblick in eine Welt, die man kaum kennt – zum Glück. 

Meine Bewertung: Buchtipp!