When a rose turn to dust

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rebellyell666 Avatar

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Inhalt:

 

Younes wird als Bauernjunge geboren. Als die Ernte seines Vaters, die in ihrer Blüte stand, abbrennt, zieht die Familie, vertrieben von Gläubigern, nach Oran, um ihr Glück zu versuchen. Dort ist das süße und bittere Leben miteinander vermischt. Es gibt solche Gegenden voller Glanz und Gloria und ebensolche voller Schäbigkeit und hoffnungslosen Gestalten…

 

Schreib-/Erzählstil:

 

Die teils schwermütige, dann wieder leichte Sprache, erklärt einem Liebe und Leid durch Worte, die man in Verbindung als wundervoll empfindet und sich gerne leiten lässt, in offensichtliche Feststellungen über Freundschaft und das Leben im Allgemeinen. Die Charaktere sind einfach und klar verknüpft, man wird nicht erschlagen von Irrungen, sondern findet für jede Person einen Platz und weiß diese, dank Khadras Erzählkunst, zu verstricken und zusammen zu führen.

 

Meine Meinung:

 

Oran. Die Stadt, die die Pest in den 1960er Jahren überlebt hat, blutet vor Leid, das Younes durch seine Familienverhältnisse erfährt. Als sein Vater merkt, dass er seinem Sohn eine bessere Zukunft bieten kann, gibt er ihn in die Obhut seines Bruders, Younes Onkel. Plötzlich heißt er Jonas. Er findet schwerlich seinen Weg, muss seine Herkunft verleugnen, Bitterkeit und Blässe schleicht sich in sein Herz. Hier ist der Zwiespalt und die Entrissenheit Younes‘ aus seiner eigenen Familie gut dargestellt. Ihm wird ein neuer Stempel aufgedrückt und Khadra vermischt langsam Younes‘ altes und neues Leben, bis Jonas gefestigt ist und seine Ziele in der privilegierten Welt feststecken kann.

 

Er sucht die einzig wahre Liebe, oder Schatten derer? Die Suche, die der Protagonist die über vierhundert Seiten, verfolgt, ist ein schmerzvolles Unterfangen. Man begegnet Widersachern, längst vergessenen Statisten und den Filmstars, die die politische Bewegung mit Händen anfassen. Hunderttausende sterben für Unabhängigkeit, Jonas setzt seine Suche fort. Nach ihm selber, seiner Vergangenheit, einem Zeichen. Es ist depressiv und zugleich so wahr. Wir suchen alle. Egal, ob wir Vergangenem nachtrauern und doch noch weiterstolpern möchten, oder die Zukunft ungewiss ist und wir unseren Platz finden wollen. Dabei ist es erstaunlich, welche Menschen uns formen und Rat geben, uns brechen wollen, gegen wen wir uns wehren, um anderen in die Arme zu fallen.

 

Fazit:

 

Überwältigend! Die politische Situation ist neutral ausgedrückt, Khadra spricht nicht durch seinen Protagonisten, da dieser keine Stimme hat. Aufgrund des Herzschmerzes ist dieser gefangen in sich selbst und als mir hinterher die Tränen aus den Augen brachen, so weinte ich um alles, was Jonas verraten hatte, um ein halbes Leben gelebt zu haben.

"Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste." (Heinrich Heine) http://rebellyell666.blogspot.com/ "Bücher? - Das geht ein, zwei Jahre gut, dann bist du süchtig!"