Verschenktes Potential

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bea-fee Avatar

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Mata Hari war eine schillernde Persönlichkeit, deren Name jedem bekannt ist. Sie galt als DIE Spionin. Meine Erwartungen an das vorliegende Buch waren dementsprechend hoch. Einen Einblick in das Leben von Mata Hari zu bekommen und zu erfahren, wie aus Margaretha Zelle eine Doppelagentin wurde, hätte fesselnd und spannend sein können. Doch für mich blieb das Buch leider zu sehr an der Oberfläche. Zwar beschreibt es aus Sicht der Mata Hari, wie sie in die Hinrichtung "hineinschlitterte", doch man hat den Eindruck, sie habe ihr eigenes Leben und Handeln nicht begriffen. Coelho lässt Mata Hari in Form eines Abschiedsbriefes selber erzählen. Er versucht, sie als Vorkämpferin der Selbstverwirklichung darzustellen, die gegen gesellschaftliche Regeln verstößt, um unabhängig und frei zu leben. Dabei zeigt sie vielfach eine unangemessene Naivität und die Unfähigkeit, andere Perspektiven einzunehmen, was gerade im Hinblick auf Ihren Plan, als Agentin ihr Leben zu finanzieren, ein Fiasko ankündigt. Letztlich hat sie bei mir den Eindruck hinterlassen, egozentriert und wenig weitsichtig gelebt und gehandelt zu haben. Eine Leser-Protagonisten-Beziehung konnte ich nicht wirklich aufbauen.
Wer einen Roman von Paulo Coelho zur Hand nimmt, hat hohe Erwartungen. Leider wurden diese für mich nicht erfüllt. Natürlich liest sich auch dieses Buch des Erfolgsautors ausgesprochen flüssig. Aber meiner Ansicht nach plätschert es nur angenehm voran. Als Nebenbei-Lektüre erhält es von mir deshalb 3 Sterne.