Zu opportunistisch von Coelho

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digra Avatar

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In Anlehnung eines Briefes, den Mata Hari in ihrer Zelle kurz vor ihrer Hinrichtung geschrieben haben soll, der aber nie auftauchte, versucht Coelho sich an einem Roman über diese undurchsichtige, schillernde Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Teil 1 beschreibt die letzten Stunden der Spionin und ihre Exekution. Ein informativer und plakativ geschriebener Part.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Innenleben Mata Haris.
Mehr Interpretation Coelhos als Fakten lassen hier zu viele Zweifel ob die Person um die es geht wirklich so gewesen sein könnte. Es macht sehr stark den Eindruck als hätte sich der Autor einfach nach seinem Gusto ausgetobt ohne einen gewissen Respekt vor der Persönlichkeit Mata Haris zu zeigen. Ich empfinde das fast schon als schamloses Ausnutzen dieser Person zu eigenen Zwecken. Man könnte auch "Opportunismus" sagen.

Im 3. und letzten Teil erfahren wir endlich etwas mehr über die Fakten, die zur Verurteilung Mata Haris führten. Der Teil versöhnt etwas mit der Ambivalenz in Coelhos Herangehensweise Fakten und Fiktion/Interpretation zu vermischen.

Meine Meinung:

Die Geschichte Mata Haris bleibt in meinen Augen nur oberflächlich angekratzt.
Teilweise wird in Zeitraffer ihre Lebensgeschichte abgerissen. Viele Jahre werden übersprungen, sodass man gar nicht in einen angenehmen Lesefluss gerät.
Dem gegenüber stehen ausufernde poetische und spirituelle Gleichnisse und Gedanken in den Dialogen.

Der Roman lässt mich zwiegespalten zurück.

Sehe ich hin als eine Geschichte über eine real existirende Person, so bekomme ich nicht allzuviel von ihrem wahrlen Leben mit. Zu viel wird ausgelassen, zu wenig wirklich auserzählt,sondern immer nur angekratzt.

Sehe ich das Buch als Roman, der er ist, so empfinde ich keine Empathie für die Protagonistin. Ich kann mich nicht mit ihr identifizieren und finde sie im weiteren Verlauf de Buchs immer unsympatischer und in Anbetracht der politischen, und ihrer persönlichen verzwickten Lage grotesk oberflächlich.

Dieses Unvermögen eine Distanz zu dieser Person und Erzählweise zu überwinden ließ mich nie wirklich in Gänze in dieses Buch eintauchen.

So kann ich am Ende nur magere 3 Sterne vergeben, da in meinen Augen das Buch keine klar definierte Richtung hat und auch sonst hart an der Grenze meines Lesegeschmacks vorbeirauscht.