Noch besser als das erste Buch

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bibliomarie Avatar

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Ein kleines Dorf am Ende eines Tales, die Dorfgemeinschaft verschworen, die Familien seit Generationen auf ihren Höfen ansässig, da kommt eine fremde Familie, baut sich einen Glaskubus in die Berge und wird sofort zu Außenseitern stigmatisiert.
Ein junges schönes Mädchen wird erschossen und bei den alten Lärchen in Sichtweise des Hauses der „Eindringlinge“ abgelegt, für die Dorfgemeinschaft, aufgehetzt und geführt vom Pfarrer, ist der Fall klar. Der Sohn des Fremden war‘s, sie wollen Rache und Selbstjustiz. Hier werden die Probleme noch nach alter Art gelöst, diesen Eindruck gewinnt der Kommissar Johann Grauner.

Grauner ist selbst Südtiroler, einer geerdeter Mann, der lieber seinen Hof und seine Kühe versorgen möchte, aber so ein kleiner Bauernhof allein versorgt keine Familie mehr. Ihm zur Seite steht sein Kollege Saltapepe, aus Neapel zur Bozener Polizei versetzt, fühlt er sich weder heimisch, noch glücklich in den Bergen.

Ein großartiger Kriminalroman, den ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Suche nach dem Täter und vor allem nach den Motiven ist stark in Szene gesetzt. Die Atmosphäre hat mir ausgesprochen gut gefallen, gleich nach wenigen Seiten hatte ich die Menschen und Orte vor Augen. Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der einzelnen Personen. Die knorrigen Ultener Bauern genauso, wie den schneidigen Süditaliener Saltapepe, für jede Figur findet der Autor eine eigene Stimme. Am besten gefiel mir wieder Johann Grauner, ein nachdenklicher Mensch, der sich tief in Opfer, wie Täter einfühlen kann. Er ist kein Freund von schnellen Urteilen und schnell gefundenen Wahrheiten: „Zweifel, sprach der Commissario leise, nur der Zweifel führt zur Wahrheit“

Waren meine Erwartungen nach dem ersten Kriminalroman von Lenz Koppelstätter schon hoch, sie wurden noch übertroffen!