Tief ist der Brunnen der Vergangenheit

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beazep Avatar

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Aus der Stille der Lärchen, der Beschaulichkeit des Tales, des Schweigens des Waldes entwickelt sich ganz allmählich ein lauter Schrei aus der Vergangenheit. Doch das ist ein langer Weg für den Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe. Eine verschworene oder verängstigte Dorfgemeinschaft hütet ein Geheimnis - der Pfarrer, der Bürgermeister, die Geschäftsleute, keiner läßt sich eine Erklärung entlocken. Wo, warum, wie und durch wen mußte ein junges Mädchen sterben, das doch alle gut kannten und auch mochten? Wie läßt sich dieses fast undurchdringliche Netz aus jahrzehntealter Angst, verwurzeltem Haß, tiefem Glaube, blindem Egoismus, süchtigem Geschäftssinn, familiärer Protektion, irreführenden Mißverständnissen und falschem Stolz entwirren? Der Autor nimmt seine Leser behutsam mit auf den beschwerlichen Weg der Aufklärung dieses fast schon mystischen Falles, ohne sich in Einzelheiten zu verzetteln. Seine Protagonisten bleiben ruhig, wenn es gilt, Ruhe zu bewahren und sie handeln schnell, wenn Eile geboten ist. Auch gibt es kein unnötiges Abgleiten in deren private Verhältnisse - die Einblicke gehen gerade so tief, um eine ehrliche Sympathie zu erzeugen. So ergibt dieser faszinierende Roman eine sehr bodenständige Geschichte, die spannend zu lesen ist und im Gedächtnis bleibt. Fast könnte man sagen, dieser Commissario Grauner hat das Zeug, der Brunetti Südtirols zu werden - auf alle Fälle wünsche ich mir noch viele Fortsetzungen dieses interessanten Charakters.