Nicht überragend, aber nach einem lahmen Anfang spannend

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Ein schreckliches Verbrechen verändert alles in Irenes Leben. Ihr neunzehnjähriger Stiefsohn Martin soll für den Tod ihres Sohnes Jonas verantwortlich sein. Mehr noch, Martin behauptet, Jonas habe einen anderen Jungen ermordet, außerdem sei er von seinem eigenen Vater sexuell missbraucht worden.
Der Fall kommt vor Gericht, Martin wird freigesprochen und zieht kurz darauf von zu Hause aus. Er kommt mit Tina zusammen, einer Achtzehnjährigen, die ihm aufgrund ihrer androgynen Figur gefällt. Tina hat selbst genügend Probleme, klaut wie ein Rabe, ist eine Außenseiterin, verliebt sich aber total in Martin und ist bereit, alles für ihn zu tun.
Während Irene davon überzeugt ist, dass Martin vorsätzlich gehandelt hat, glaubt Tina ihm alles und versucht, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Das geht sogar so weit, dass sie ihm dabei hilft, kleine Jungs einzufangen, die er sexuell begehrt …

Der Anfang dieses Buches gefiel mir gar nicht. Da schon nach wenigen Seiten enthüllt wurde, dass Martin der Täter ist und was seine Motive waren, war die Spannung weg, dazu kamen ständig wechselnde Perspektiven. Dann aber wurde es plötzlich spannend, als Tina mehr Raum bekam und sich zur mit Abstand interessantesten Figur entwickelte. Auch die vielen Perspektivsprünge störten mich nun nicht mehr.
Die Geschichte konzentriert sich auf zwei Handlungsstränge. Da ist zum einen der um Tina und ihre Beziehung zu Martin, zum anderen der, wie Irenes Leben weiterläuft. Mir gefiel Tinas Geschichte deutlich besser, da diese mit Abstand spannender als Irenes ist. Irene sucht bei Martins Großmutter nach Hinweisen auf sein Verhalten, erfährt von seiner frühen Kindheit, alles ziemlich unspannend. Nebenbei kommt sie dem ermittelnden Kommissar näher, der jedoch verheiratet ist und seine Frau sehr liebt. Dieser Handlungsstrang bringt im Prinzip gar nichts, hätte, da er der Geschichte nichts nützt, deutlich eingekürzt werden müssen.
Erst zum Ende hin laufen die beiden Stränge dann wieder zusammen, hier wird Irene auch interessanter als Figur und auch die anderen Nebenfiguren bekommen Raum. Der Schreibstil erschien mir anfangs zu abgehackt und holprig, doch mit Fortschreiten der Geschichte wurde er deutlich besser. Oder ich hatte mich einfach daran gewöhnt, jedenfalls fand ich den Roman dann sehr spannend.
Für Krimi- und Psycho-Thriller-Fans auf jeden Fall eine Empfehlung und der Hinweis, sich nicht von dem lahmen Anfang abschrecken zu lassen. Es ist zwar kein überragendes Werk, aber doch richtig gute Unterhaltung für Fans des Genres.