Archäologie in Zeiten von Krieg und Revolution

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„Die Straße der Geschichtenerzähler“ ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein belebtes Zentrum in der Stadt Peschawar, heute eine pakistanische Provinzhauptstadt, und von zentraler Bedeutung im gleichnamigen historischen Roman von Kamila Shamsie, in dem sie die britische Kolonialgeschichte Peschawars mit Ereignissen des ersten Weltkrieges und der Antike auf interessante, aber auch tragische Weise miteinander verzahnt: Die Engländerin Vivian Rose Spencer und der Paschtune Qayyum Gul erleben aus unterschiedlichen Blickwinkeln – als Archäologiestudentin während einer Ausgrabung in der Türkei kurz vor Kriegsausbruch und als Kriegskrankenschwester zunächst wider Willen, später aus Berufung bzw. als in der britischen Armee geschätzter, jedoch aufgrund seiner Herkunft nie vollkommen akzeptierter und im Verlauf verwundeter Soldat – den Ersten Weltkrieg. Auf einer archäologisch intendierten Reise nach Peschawar lernt Vivian Qayyums jüngeren Bruder Najeeb kennen und vermittelt ihm ihre Liebe zur Geschichte und Archäologie. Knapp zwei Jahrzehnte später begegnen sich die drei Hauptfiguren erneut vor den blutigen Ereignissen des Massakers in Peschawar, einem traurigen Kapitel der britischen Kolonialgeschichte.

In mehreren Erzählsträngen werden die drei Hauptprotagonisten von identischen Themen geprägt: der Liebe zur Geschichte, zur Archäologie und zur Heimat, der Suche nach Zugehörigkeit und Freiheit, der Erfahrung von Krieg, Verlust und Schuld sowie dem Wunsch nach Selbstbestimmung (Emanzipation, Revolution). Das Peschawar zur Zeit des Ersten Weltkrieges und das zur Zeit des Massakers im April 1930 werden auf interessante erzählerische Weise einander gegenübergestellt. Trotz der hoch motivierten inhaltlichen Konstruktion und der außergewöhnlichen historischen Themenwahl konnte sich die angepriesene „erzählerische Kraft“ in mir während der Lektüre nicht entfalten, da die Erzählweise und der Spannungsbogen zu unzusammenhängend und bruchstückhaft auf mich wirkten. Die Inhaltsangabe erscheint mir rückblickend betrachtend irreführend.

„Die Straße der Geschichtenerzähler“ ist ein anspruchsvoller historischer Roman, der eine interessante historische Epoche und ein tragisches Ereignis thematisiert, jedoch konnte mich sein Erzählstil nicht richtig fesseln.