Versöhnliches Ende

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
stephi Avatar

Von

 

 

Was für ein Buch! Sehr zwiegespalten lässt es mich zurück und macht eine Bewertung wahrlich nicht leicht.

 

In Tanum in Schweden wird eine Frau tot in einem verunfallten Auto gefunden. Alles deutet auf einen tödlichen Unfall unter Alkoholeinfluss hin. Die Rechtsmediziner stellen jedoch fest, dass die Frau Verletzungen aufweist, die zu dieser Theorie nicht wirklich passen können.

Kurze Zeit später geschieht ein Mord an einer jungen Frau, der den Ermittlern ebenfalls Rätsel aufgibt. Unter der doppelten Belastung mühen sie sich nach Kräften, die beiden Fälle aufzuklären und fördern dabei eine ganze Reihe unerwarteter Informationen zu Tage, die die Fälle immer verzwickter werden lassen.

 

Camilla Läckberg scheint eine Verfechterin von Handlungssträngen zu sein – zumindest stattet sie ihr Buch mit vielen verschiedenen aus. Neben den Ermittlungen erhält der Leser einen Einblick in das Privatleben der Ermittler, die Geschehnisse in Tanum, die Gedanken einzelner Verdächtiger oder Zeugen, in das Denken der Angehörigen der Opfer usw. Beim Lesen entsteht zum Teil das Gefühl, der Aufbau des Buches würde dem einer Daily Soap folgen. Ständig wechseln die Szenen, permanent springt die Handlung zwischen den verschiedenen Handlungssträngen umher. Immer, wenn man sich gerade wieder in einen Abschnitt eingelesen hat, erfolgt der Wechsel zum nächsten.

 

Hinzu kommt, dass die Autorin scheinbar mit aller Macht und bei jeder, wirklich jeder sich bietenden Gelegenheit Spannung aufbauen will. Dies äußert sich dahingehend, dass jede einzelne Information, die sich beispielsweise durch die Ermittlungen ergibt, dem Leser auf sehr auffällige Art vorenthalten wird. Es ist nicht so, dass ich dieses Vorgehen generell verurteile – im Gegenteil. Gut dosiert kann ein solches Vorgehen sehr wirkungsvoll sein und in der Tat viel Spannung erzeugen. Unglücklicherweise schlägt die Wirkung aber eben gern ins Entgegengesetzte um, wenn übertrieben wird. Auf mich hat diese Heimlichtuerei z. T. einfach nur übertrieben und lächerlich gewirkt und ich war zeitweise ziemlich genervt.

 

Besonders eigenartig ist diese Art zu schreiben in Hinblick auf den Klappentext – zumindest eine dieser hochwichtigen Informationen wird vorweggenommen.

 

Abgesehen von den stilistischen Eigenheiten hat mir das Buch inhaltlich recht gut gefallen. Es lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, die Charaktere sind interessant und haben Tiefe, lassen jedoch trotz allem noch Raum für unerwartete Erkenntnisse und Überraschungen. Natürlich sind nicht alle Figuren gleichermaßen stark ausgearbeitet, aber die Autorin hat hier ein gelungenes Mittelmaß gefunden.

 

Das große Plus des Buches ist für mich auf jeden Fall das Ende. Die Handlungsstränge werden miteinander verwoben, die Ermittlungen nähern sich immer mehr einem Abschluss und dann wird eine Auflösung geliefert, die überraschender, erschütternder und gleichzeitig beeindruckender nicht sein könnte. Nie hätte ich mit diesem Ausgang gerechnet, nie mit diesen Verknüpfungen. Wahnsinn.

 

Mit diesem Ende habe ich das Buch doch noch zufrieden aus der Hand legen können. Natürlich kann dies den in meinen Augen z. T. eigenartigen Schreibstil nicht wettmachen, aber die Autorin setzt noch einmal ein Highlight und hinterlässt immerhin einen sehr guten letzten Eindruck.