Weniger einsam...

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Zu zweit wäre man weniger einsam. Doch vielleicht genügte auch schon eine bloße Nachricht von einem Bekannten. Von jemandem, der in der neueren, anonymeren Welt noch menschlich – ja, real - ist und einem ein kleines Zeichen sendet, das uns zeigt, dass wir nicht allein sind und es jemanden gibt, der uns zumindest in seinen Gedanken ein Stück weit näher zusammenrücken lässt.  

In „Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim“ berichtet Jonathan Coe auf wundervoll rührende Art und Weise, wie sich Maxwell darum bemüht, der alltäglichen Einsamkeit zu trotzen.

Dabei wirkt die Schreibweise des Autors ineinanderfließend und harmonisch. Gelungene Wortwahl und das Beschreiben gängiger Alltagssituationen, wie etwa das Abhören des Anrufbeantworters und das Abrufen gesammelter E-Mails, unterstreichen in ungekünstelter Manier wie einfach sich die Situation Maxwells in der heutigen Gesellschaftsstruktur wiederfinden lassen kann. Dadurch wirkt die Storyline nah am Leben erzählt und es fällt leicht, ganz in die dargestellte Thematik abzutauchen und sich von Maxwells Geschichte tragen zu lassen.

Die Leseprobe besticht durch tragenden Realismus und gefühlvolle Ausdrucksweise.

Maxwell Sim muss dabei keinen Sonderstatus in der Gesellschaft einnehmen. Er muss kein aufregender Superheld sein, der das Zentrum eines Buches verkörpert. Allein durch seine Lebensgeschichte sticht er aus der Masse heraus und es ist spannend, seine Reise durch die Einsamkeit, seinen Kampf um Nähe und seine Gefühle und Reflexionen zu verfolgen.

Jonathan Coe ist etwas gelungen, was nur wenigen Autoren zu gelingen vermag: ohne großen Schmuck und Übertreibung berichtet er von einem Leben, das so fesselnd ist, das man sein Werk verschlingen möchte.

Es würde mich sehr freuen, dieses Buch vorab lesen zu dürfen, um schnellstmöglich in den Genuss der verbleibenden Buchseiten zu kommen. Bisher hat mich die Leseprobe hundertprozentig überzeugt, doch ich würde gern ein allumfassendes Bild von dem kompletten Ausmaß von Maxwells Einsamkeit bekommen.