Ein Hotel, das Zündstoff für ganze Gerationen bietet, eine Großmutter, die zweimal stirbt.....

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
onion Avatar

Von

Als Kinder haben wir mit ihnen fangen und verstecken gespielt. Danach gehörten sie einfach zum Leben dazu und fristen ihr Dasein irgendwo am Rande unseres Blickfeldes. Doch habt ihr euch schon jemals Gedanken über eure Schattenbilder gemacht? Was sind sie? Eine reine optische Abbildung eures Körpers durch den Einfluss von Licht? Oder ist der eigene Schatten eine Art Spiegelung der Seele, ein Freund, Vertrauter, Beschützer?

Im Leben der Familie Salz kommt den Schatten eine besondere Bedeutung zu. Was passiert, wenn man seinen Schatten verliert, ihn nicht mehr sehen kann? Eine interessante Frage, deren Beantwortung im Buch mehrere Facetten anspricht und dennoch im Auge des Betrachters verbleibt.

In „Die unsterbliche Familie Salz“ von Christopher Kloeble dreht sich das Denken und Handeln immer wieder um den Fürstenhof in Leipzig.

Er ist eine Art Zentrum, an dem alles beginnt und auch wieder zu enden scheint. Dennoch erwartet den Leser kein imponierendes Bild einer reichen Hotelierdynastie oder gar ein Ausflug in die Welt der Highsociety. Vielmehr treffen wir auf die miteinander verbundenen Schicksale von Generationen einer Familie über den Verlauf von 100 Jahren hinweg. Wir erleben, wie sich das Leben und Handeln jedes Einzelnen auf die nachfolgenden Generationen auswirkt. Wie Schicksalsschläge und Erlebtes einen Menschen verändern.

"Meine Großmutter starb zwei Mal. Nur war sie nach dem ersten Mal nicht tot..."

Im Mittelpunkt steht Lola Rosa Salz. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt. Eine recht eigenwillige und starke Persönlichkeit, die dennoch weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Im Laufe eines Jahrhunderts entdecken wir viele Seiten ihrer selbst.

Lola hat in ihrem langen Leben viel erlebt und riskiert für die, die ihr am Herzen lagen, aber auch zum Eigennutz oder soll ich sagen Selbstschutz. Manchmal scheint es schwer hinter ihre Fassade zu blicken und die große Verletzlichkeit dahinter zu entdecken. Doch sie ist da. Lola Rosa Salz wird bis zum Schluss auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit sein und so manchen großen Fehler begehen.

Sie ist einer der umfassendsten vielschichtigsten Charaktere, der mir seit langem begegnet ist. Ob fantasiereiches, ängstliches Kind oder ans Bett gefesselte in ihren Gedanken und Erinnerungen gefangene Großmutter, Lola fasziniert, polarisiert. Ihr Leben stimmt nachdenklich, wehmütig und auch traurig. Verpasste Gelegenheiten und die zu geringe Kraft, ihren inneren Schatten überwinden zu können, werden dazu führen, dass von der eigentlichen Lola bis zu ihrem ersten Tod nicht mehr viel übrig geblieben zu sein scheint.

Dennoch steckt davon noch ganz viel in ihr und ich konnte am Ende das kleine liebenswerte Mädchen in ihr wiederfinden.

Lola scheint unsterblich durch die Zeiten zu wandern und die Geschicke aller zu beeinflussen. Ihr Schatten überragt die aller folgenden Generationen und wird den Verlauf der Geschichte der Familie Salz grundlegend bestimmen.

„Die unsterbliche Familie Salz“ ist ein Familienepos, das dem Leser durch die unterschiedlichen Erzählstränge immer wieder neue Blickwinkel eröffnet. Das Ende kommt trotz allem überraschend schnell und auch nach 438 Seiten ist man eigentlich noch nicht bereit, sich aus den Fängen der Familie Salz zu lösen.

Dieses Buch wird Euch gefangen nehmen, inspirieren und ganz wichtig, eine besondere Verbindung zu Euren Schatten schaffen.

Ich hätte gern herausgefunden…, aber nein, da verrate ich zu viel, denn gerade der Schluss könnte ein weiterer Anfang sein…eine neue Generation mit Träumen und schicksalhaften Begegnungen macht sich auf den Weg.