Herbsthighlight zum Nachdenken

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gackelchen Avatar

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Worum es geht:


Die Geschwister Gold erleben 1969 einen ziemlich langweiligen Sommer. Dies ändert sich als Daniel von einer Wahrsagerin erfährt. Diese kann nur eines, nämlich den Todestag vorhersagen, aber das dafür unfehlbar. Die Kinder suchen sie auf und erfahren wann ihr letzter Tag auf Erden sein soll. Keiner konnte ahnen wie sich das Leben der vier dadurch verändern soll... Simon, den Jüngsten, zieht es Anfang der 1980-er Jahre nach San Francisco, wo er nach Liebe sucht und alle Vorsicht über Bord wirft. Klara, verwundbar und träumerisch, wird als Zauberkünstlerin zur Grenzgängerin zwischen Realität und Illusion. Daniel findet nach 9/11 Sicherheit als Arzt bei der Armee. Varya wiederum widmet sich der Altersforschung und lotet die Grenzen des Lebens aus. Doch um welchen Preis?

- Teilnutzung des Originalklappentextes @btb


Meine Meinung:



"Vielleicht wäre nichts geschehen, wäre es nicht mitten in den Sommerferien gewesen, hätten nicht anderthalb Monate Langeweile hinter ihnen und anderthalb Monate Langeweile vor ihnen gelegen"


Was würdest du tun, wenn du den Tag deines Todes kennen würdest?

Die Gold Kinder reagieren alle recht unterschiedlich darauf, basierend auf die Länge des vorhergesagten Lebens. Simon bekommt mit 7 Jahren gesagt, dass er kaum über die zwanzig Jahre hinauskommt. Ein Wissen welches ihn dazu verleihtet waghalsig so viel Leben wie möglich in sich aufzunehmen. Hätte er es nicht geglaubt, hätte er anders gelebt? Obwohl er in ständiger Angst vor dem Datum gelebt hat, hat er versucht sein Ding durchzuziehen. Die dunkle Wolke mit der Vorahnung, dem Wissen, dass das Datum stimmt verfolgte ihn aber sein ganzes Leben.

Arbeitete er darauf hin, oder kam, was kommen musste?

Das gleiche könnte man sich zu Klara fragen. Hat sie letztendlich nur getan, was sie glaubte tun zu müssen um die Vorhersagung zu erfüllen?


"Aber noch etwas anderes erzeugte die Atmosphäre, die für diese Pilgerfahrt notwendig war: In diesem Sommer sind sie noch auf eine Weise Geschwister, wie sie es nie wieder sein werden. Im nächsten Jahr wird Varya mit ihrer Freundin Aviva in die Catskill fahren. Daniel wird in die geheimen Rituale der Nachbarsjungs eintauchen, und Klara und Simon werden sich selbst überlassen sein. Aber im Sommer 1969 sind sie noch vereint, ein fest zusammen geschweißter Haufen."


Die Frage ob der Glaube die Wahrsagung wahr macht oder man ihr nicht entkommen kann wird hier in 4 Beispielen schön ausgeführt. Jedes Kind bekommt seinen Abschnitt, in der Reihenfolge der Tode. Die 4 Leben die dem Leser hier präsentiert werden, könnte alle auch nicht unterschiedlicher sein. Simon beginnt sich in die Welt des Tanzes, während der 80er Jahre als Homosexueller in San Fransisco.

Klara entführt uns in die Welt der Magie, Zaubershows und Las Vegas. Daniel wirkt dagegen sehr brav. Als Arzt für die Armee stellt sich ihm die Frage nach Prinzipien durchsetzen oder Befehle befolgen. Varya entschied sich für Laborstudien zur Langlebigkeit.

In jedem der Abschnitte werden dem Leser überraschende Wendungen von vorherigen Momenten übermittelt, die das Buch so besonders machen. Hat man eben noch in Klaras Welt "gelebt" und gedacht man wisse alles, kommen bis zum Schluss unerwartete Offenbarungen.

Teilweise ist es leider recht vorhersehbar. Vor bei Simon war sehr schnell klar was passieren würde. Und manchmal wiederholt Benjamin sich ein bisschen zu sehr um einen Punkt rüber zu bringen. Dennoch hält die Geschichte einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.

Das Buch durchzieht einen Grundton an Traurigkeit. Nicht nur die unumweichlichen Verluste durch den Tot, auch das sich verlieren als Familie. Das gemeinsame Wissen treibt die Kinder auseinander. Nur Klara und Simon hielten zuerst zusammen. Mehr als Einmal hatte ich Tränen in den Augen während der Lektüre. Umso schöner dann als gegen Ende die übrige Familie sich sucht und sich um Zusammenhang bemüht. Eine Art Happy End, trotz allem.