Licht und Schatten.

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hydrangeablau Avatar

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Mit dem Hinweis "»Diese Saga steht Harry Potter in nichts nach. Eine abenteuerliche Reise durch sagenhafte Welten!« Elle" hat sich der Verlag meiner Meinung nach keinen Gefallen getan. Das mit den sagenhaften Welten stimmt. Trotzdem werden die Potterfans, die auf der Suche nach einem weiblichen Harry sind, enttäuscht sein. Von der Magie, die einen bei J.K. Rowling auf jeder Seite verzaubert, ist hier weniger zu lesen. Die Gemeinsamkeit liegt eher darin, dass beide "Welten" wirklich einzigartig und bis ins kleinste Detail durchdacht und stimmig sind. Und dabei ist die Welt der Archen so einzigartig, dass es den Vergleich zu HP nicht gebraucht hätte.

Die Idee, dass die Erde in 21 Archen zerschlagen wurde, die nun wie Inseln am Himmel schweben und jede für sich eigene Gesellschaftsstrukturen gebildet hat, ist grandios. Im vorliegenden ersten Teil geht es erst einmal nur um die Archen Anima und Pol. Letztere ist eine eisige Welt, die man sich wohl am ehesten wie Sibirien vorstellen kann. Der Detailreichtum, mit denen die Hauptstadt von Pol, die Himmelsburg, beschrieben wird, ist atemberaubend und man fühlt sich beim Lesen an eine ähnliche Welt wie bei "Alice im Wunderland" erinnert. Nebe den wunderbar kuriosen Nebenfiguren fallen die beiden Hauptfiguren Ophelia und Thorn auf. Sie sind beide mehr als sperrig und haben nicht nur Ecken und Kanten, sondern bestehen fast nur daraus. Ophelia ist ein verschlossenes, tollpatischiges Mädchen, das immer zu leise spricht und sich nicht so sehr für ihre Mitmenschen, sondern nur für ihr Museum interressiert. Thorn, der junge Mann aus Pol, mit dem sie verlobt werden soll, liegt mehr an Zahlen als an sozialen Beziehungen. Und so entwickelt sich ihre Beziehung im Schneckentempo und ist mitunter einfach nur frustierend. Gleiches gilt für eine Phase im Buch, in der Ophelia aufgrund der gefährlichen Lage auf Pol zu absoluter Passivität verdammt ist. In diesem Teil habe ich ein bisschen den Lesefluss verloren. Und obwohl ich es gut finde, mal andere Figuren als den starken gutaussehenden Helden und die wunderschöne, mutige Heldin sich ineinander verlieben zu sehen, braucht man wirklich viel Geduld für die beiden.
Ich hoffe darauf, dass in den Folgebänden die bereits angedeutete Charakterentwicklung deutlicher wird und beide aktiver agieren. Ansonsten ist da so vieles so wunderbar: der Weltenentwurf im Ganzen, unvorhersehbare Entwicklungen, gefährliche Intrigen, magische belebte Objekte wie z. B. ein Schal, der an Ophelia "lebt, u.s.w.
Würde es nur danach gehen, würde ich dem Buch die Höchstpunktzahl geben. Durch den streckenweise schleppenden Lesefluss und den mitunter zu blass wirkenden Hauptfiguren sind es 4/5.