Milena Agus - Die Welt auf dem Kopf

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hasewue Avatar

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Inhalt:

Buecher.de

Wie schön lässt sich von der großen Liebe träumen, in dem einst prächtigen, alten Palazzo. Er liegt in Cagliari, in einem heruntergekommenen Viertel unweit des Hafens. Menschen aus aller Welt leben hier, es ist bunt, lebhaft und laut - eine wilde Mixtur aus Geräuschen, Gerüchen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Oben wohnt Mr. Johnson, ein amerikanischer Violinist in den Siebzigern, dem gerade die Frau davongelaufen ist. In der Mitte die träumende Studentin, die uns diese wundersame Geschichte erzählt, unten Anna mit ihrer Tochter Natascia. Ihre Wohnung ist dunkel und ärmlich, und Anna hat drei Jobs, um das nötige Geld zu verdienen. Sie ist herzkrank, doch als die Idee aufkommt, sie könne sich um Mr. Johnsons Haushalt kümmern, steckt sie ihren weichen, nicht mehr ganz jungen Körper in Reizwäsche, um ihn zu verführen. Ein Reigen beginnt, und die Liebe taucht alles in ein sanftes, mildes Licht ...



Meine Meinung:

Ein ehemaliger Palazzo, der zum Mietshaus umfunktioniert wurde, in Cagliari, der alten sardischen Hafenstadt, bewohnt von verschiedene Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte.
Die Ich-Erzählerin nennt sich selbst Alice und hat schon in jungen Jahren durch den Tod ihres Vaters die dunkle Seite des Lebens erfahren.
Alice selbst hat die Beobachterrolle in der Geschichte eingenommen und lässt den Leser am Leben im Palazzo teilhaben.
So erzählt sie vom Signore von oben, Mr. Johnson, der von seiner Frau verlassen wurde. Oder von Anna, der Signora von unten, die sich von nun um den Verlassenen kümmert. Und von Mr Johnson junior und seinem Sohn. Und je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr tritt Alice aus ihrer Beobachterrolle heraus und wird immer mehr ein Teil vom Leben der anderen Bewohner.
Von Milena Agus habe ich bisher „Die Frau im Mond“ gelesen und war davon schon sehr begeistert. Deswegen war ich schon gespannt wie ihr neues Buch „Die Welt auf dem Kopf“ mir gefallen wird.
Und ich bin begeistert! Es ist anders als „Die Frau im Mond“, aber genau so liebevoll, verträumt und still erzählt ohne Hektik oder übertriebene Szenen.
Genau solche Bücher liebe ich. Auf wenigen Seiten werden dem Leser authentische und teilweise skurrile Figuren nahe gebracht und man entwickelt sehr schnell eine ganz spezielle Bindung zu ihnen.
Agus Stil ist anrührend und stellenweise tiefgründig. Sie zeichnet ein schönes Bild einer wunderschönen Insel, wobei sie nichts durch aufgebauschte Phrasen verklärt. Im Gegenteil, durch ihren teilweise auch nüchternen Stil behält sie die Realität bei und die Geschichte verliert dadurch an Distanz.
Mir hat dieses Büchlein wieder große Freude bereitet, da die Geschichte interessant und bewegend war mit einer tollen Atmosphäre und authentischen Figuren.
Ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher dieser tollen Autorin lesen.

5 von 5 Sternen!