Nishino und die Frauen

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manur. Avatar

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Nishino liebt die Frauen ebenso sehr, wie die Frauen ihn lieben. Er hat diese Ausstrahlung, die Frauen anzieht und in ihnen den Wunsch entfacht, sich in eine körperliche Beziehung mit ihm zu begeben. So war es auch mit Reiko, kurz Rei, die Nishino auf der Straße sah, das Bedürfnis hatte, mit ihm intim zu werden und dieses Begehren klar und deutlich formulierte. Daraus erwuchs eine Beziehung, die Ähnlichkeit mit einem Katz-und-Maus-Spiel hat. Als Rei Nishino ganz offen ihre Gefühle kommuniziert, zieht dieser sich in sein Schneckenhaus zurück, und als sie sich rar macht, kommt er aus seiner Höhle gekrochen. Ein ewiges Hin und Her - wenn Rei es nicht beendet hätte. Ist es ein Muster, das Nishino verfolgt? Wieso will er das, was er nicht haben kann und stößt zurück, was ihn binden will?

Ich bin ein großer Fan japanischer Autorinnen und Autoren. Sie haben eine ganz besondere, einzigartige Art und Weise, Geschichten zu schreiben und zu erzählen. Auch Hiromi Kawakami schlägt in ihrem Roman "Die zehn Lieben des Nishiro" diesen klaren, unmissverständlichen Ton an und lässt ihre Figuren ganz direkt sagen, was in ihnen vorgeht. Manchmal mag es befremdlich sein, doch ich finde es sehr erfrischend. Sie hat einen wunderbaren Schreibstil, der trotz seiner Direktheit und Klarheit eine sprachliche Raffinesse an den Tag legt. Und mit der ersten Liebe zwischen Nishiro und Rei legt sie den Grundstein für eine besondere Liebes- bzw. Lebensgeschichte, die den Leser ins Herz treffen und zum Nachdenken anregen wird. Gerade bei ausländischen Autoren sollte auch der Übersetzer einmal zu Lob kommen, denn Ursula Gräfe hat bereits mit den zahlreichen Übersetzungen von Murakami bewiesen, dass sie es wie keine andere beherrscht, die Feinheiten und Besonderheiten des Japanischen ins Deutsche zu übertragen und dem deutschen Publikum so einen Zugang zu dieser Kultur ermöglicht hat.