Sachen packen, das Abenteuer geht los

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jeffreyronarrow Avatar

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Zu meiner Schande muss ich ja gestehen, dass ich Huckleberry Finn kenne und auch grob weiß, worum es geht, jedoch habe ich die Bücher niemals selber gelesen. Und doch würde ich aus Erzählungen darüber sagen, dass Joe Lansdale es schafft, mit "Dunkle Gewässer" genau dieses bestimmte Gefühl im Leser zu erzeugen, dass derartige Abenteuerbücher schaffen. Ein Gefühl, dass mir seit vielen Jahren verborgen geblieben ist, da ich eigentlich schon lange kein Buch mehr gelesen habe, das in diese Genre-Sparte passt.

Aber zunächst einmal zum Inhalt."Dunkle Gewässer" spielt in einem früheren Texas und bedient die gängigen Klischees von Rassismus, Schwulenfeindlichkeit und dem bieraffinen Redneck.Die Protagonisten sind die sechzehnjährige Sue Ellen und ihre Freunde Jinx (eine schwarze, sehr taffe Jugendliche) und Terry (ein gutaussehender, homosexueller Jugendlicher). Sue und Terry verbindet ein schwieriges Familiendasein mit einem prügelnden Vater und einer gefügigen Mutter, Jinx hat es allein durch ihre Hautfarbe schwer im Staate Texas. Eines Abends ziehen Sue und Terry die Leiche der gleichaltrigen May Lynn, dem schönsten Mädchen der Stadt, aus einem nahe gelegenen Fluss, als sie Sues Vater beim Fischen helfen. Gegen den Willen des Vaters, der den saufenden und prügelnden Redneck verkörpert werfen sie die Leiche von May nicht wieder ins Wasser, sondern sorgen dafür, dass sie ein Begräbnis bekommt. Kurze Zeit später haben sie jedoch noch einen anderen Plan: Zeit ihres Lebens wollte May Lynn Texas verlassen und gen Hollywood ziehen. Dieser Wunsch soll ihr nun posthum ermöglicht werden. Jinx, Terry und Sue wollen aus ihrem bisherigen Leben fliehen und die Asche von May Lynn nach Hollywood bringen, zeitgleich wollen sie dort ein neues Leben beginnen. Doch schon bald beginnen die Probleme: Sie finden in May Lynns Tagebuch die Karte zu einem Geldschatz, Sues tablettensüchtige Mutter möchte die Jugendlichen auf der Flucht begleiten, Sues Vater und seine Saufkumpane wollen ebenfalls den Schatz finden und dann ist da noch der sagenumwitterte Skunk, ein einheimischer Kopfgeldjäger, der seinerzeit in Kindertagen schwerste Peinigungen durch seine Mutter hinnehmen musste und somit zu einem skrupellosen Killer geworden ist. Die Zeichen stehen auf Sturm!

Wie ich bereits in der Einleitung geschrieben habe, bin ich dem Buch sehr dankbar dafür, dass es in mir dieses bestimmte Gefühl geweckt hat, das seit Jahren kein anderes Buch mehr entfachen konnte. Ich bin der Auffassung, dass Lansdale häufig in einer Sprache schreibt, die einem literarischen Meisterwerk eigentlich nicht angemessen ist. Allerdings kann es durchaus sein, dass die rüde Ausdrucksweise als stilistisches Mittel genutzt wurde, um das raue Texas eindrucksvoller darzustellen. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Lansdale die einzelnen Charaktere sehr präzise und liebevoll geformt hat. Die taffe Jinx, Sues Mutter, die langsam zurück in die Realität findet, Sue selbst, die verletzlich und dominant zugleich ist, Terry, der aufgrund seiner Homosexualität sehr unsicher wirkt und einfach dazugehören will, Skunk, der vollkommen emotionslos scheint, mit dem man aber dennoch ein wenig Mitleid empfindet und die Riege an Männern, die sich in punkto Einstellung zu Frauen, Gewalt und Alkohol sehr ähneln. Herausragend finde ich darüber hinaus die Szene, in der Sue und Terry nachts auf ihrem Floß von Skunk gejagt werden, der nur alle naselang im Licht des nächtlichen Blitzes am Ufer sichtbar wird. Eine grandiose Szene, der nahezu filmreif beschrieben wird.

Zusammenfassend kann ich für dieses Buch eine Empfehlung aussprechen, Die 320 Seiten lesen sich beinahe in einem Rutsch und bieten garantierte Unterhaltung. Daumen hoch!