Ein kleines Denkmal für eine Freundin

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Helga Hammer erzählt in „Durch alle Zeiten“ die zum Teil aus Erinnerungen bestehende und zum Teil fiktive Geschichte von Elisabeth, einer einfachen Frau aus den österreichischen Alpen. Auf einer Hochzeit verliebt sie sich als siebzehnjährige in Niklas, einen jungen Mann aus einer angesehenen Familie. Ihre Liebe leben sie heimlich, denn Niklas ist bereits mit einer anderen, standesgemäßeren Frau verlobt. Enttäuscht verlässt Elisabeth ihre Heimat und geht als Kindermädchen nach England. Als ihre Mutter stirbt, kehrt sie zurück und merkt, dass sie ein Kind erwartet. Sie heiratet Martin, der nicht ahnt, dass seine schöne junge Frau nicht von ihm schwanger ist.

Elisabeths einfaches wie hartes Leben ist geprägt von verlogener Moral – und der Sehnsucht nach der alles erfüllenden Liebe. Eine archaische Bergwelt, geprägt von harter Arbeit und gesellschaftlichen Zwängen. „Eine Frau, die sich ihren Weg nicht aussuchen kann und am Ende doch ihr Glück findet“, verrät bereits der Klappentext.

Und im ‚Erinnerungen‘ genannten Epilog erzählt die Autorin:
„Wenn ich an den späten Nachmittagen zu ihr den Berg hinunter ging, wir uns an den Kachelofen setzten, ein Glas Rotwein tranken, drehten sich unsere Gespräche meist ums Familienleben, die Aufzucht unserer Kinder, das Auf und Nieder mit den Männern, der Kampf um die Liebe und Gefühle, die Tragödien und Verletzungen; wir lachten viel, doch Tränen gab es auch.“ (S. 269)

Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen dieses Buches auch. Ich nahm in meinem Lesesessel platz und ließ mir von der Autorin ganz gemütlich die Geschichte ihrer besten Freundin erzählen. Die kurzen Kapitel lassen sich leicht weglesen und wechseln zwischen der jungen und älteren Elisabeth hin und her, bis alles aufgelöst ist und die Handlung in der Gegenwart endet. Irgendwie nett und ich mochte, wenn auch manchmal stirnrunzelnd, das Buch zuende lesen.

Die Autorin wertet nicht, interpretiert nicht, schmückt nicht aus und so bleibt die Sprache meist relativ einfach, ergreifende Szenen bleiben eher oberflächlich, die Charaktere kommen einem nicht wirklich nah und bleiben blass. Helga Hammer erzählt die Geschichte ihrer „genialen Freundin“, wie sie sie selbst bezeichnet so vorsichtig mit angezogener Handbremse, dass man sich als Leser fragt, ob man Elisabeths Fehlverhalten tatsächlich nicht gut finden darf und man entgegen des Klappentextes doch der Meinung sein kann, dass auch zu damaligen Zeiten Frauen sich bereits bessere Wege gesucht haben, als die von der Protagonistin gewählten.

Alles in allem hat die heute fast achtzigjährige Elisabeth ein hartes und bewegtes Leben geführt und es ist ihr zu gönnen, dass sie noch viele glückliche Jahre im restaurierten originalen Brandstätterhof verleben darf. Auch wünsche ich ihr, dass ihr die Lektüre dieses Buches Freude bereitet hat. Meine Erwartungen hat es – besonders nach der sehr eindringlichen Leseprobe – leider nicht erfüllen können, weil ich eigentlich mehr als ein nettes Buch für zwischendurch erwartet hatte.