Der alte Mann in Oslo

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ente21 Avatar

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Der 82-jährige Sheldon zieht nach dem Tod seiner Frau von Amerika zur Enkelin Rhea nach Oslo. Dort kann er sich nicht recht einleben, trotz der gut gemeinten Versuche von Rhea und ihrem Mann Lars, ihn zu gemeinsamen Unternehmungen zu bewegen. Doch Sheldon ist griesgrämig und eigensinnig, er steckt in seinen Erinnerungen an den Koreakrieg fest und wittert in jedem Ausländer einen Spion, Kommunisten, Faschisten und Antisemiten zugleich (Sheldon ist Jude). Doch eines Tages, als Rhea und ihr Mann außer Haus sind, flüchtet sich die Ausländerin von nebenan mit ihrem kleinen Sohn in die Wohnung, in der Sheldon vor sich hin brütet--offensichtlich auf der Flucht vor einem gewalttätigen Ehemann. Oder steckt mehr dahinter? Als der Mann in die Wohnung eindringt, versteckt Sheldon den kleinen Jungen, der wie seine Mutter anscheinend kein Englisch kann, im Schrank. Währenddessen kommt die Frau zu Tode und Sheldon in eine scheinbar aussichtslose Situation...

Die Geschichte ist aus Sheldons Sicht erzählt, bissig, griesgrämig und durchmischt von Erinnerungen an den Krieg und den Tod von Frau und Sohn. Offensichtlich kein einfaches Leben, auf das Sheldon da zurückblickt und von dem er gezeichnet ist. Dennoch fällt es einem anfangs schwer, viel Mitgefühl mit ihm zu empfinden, da er einem von Grund auf unsympathisch ist--rassistisch, nörgelig, launisch. Doch nach einer Weile merkt man, dass er unter all dieser "Show" (die er hauptsächlich für sich selbst spielt) das Herz am rechten Fleck hat: Er trauert tief um den Verlust von Frau und Sohn und um den des ungeborenen Urenkels. Auch die Hilfe, die er der bedrohten Frau leistet, lässt ihm dem Leser ein wenig sympathischer werden--und macht die ganze Geschichte spannender. Es hat eine Weile gedauert, bis sie richtig in Schwung kam, aber jetzt würde ich sehr gerne wissen, wie es weitergeht! Denn das Buch verspricht eine originelle und abwechslungsreiche Lektüre.