Man nehme wenig und mache daraus viel...

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glasperlenraum Avatar

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„Ein Sommer aus Stahl“ beschreibt das Heranwachsen der beiden Freundinnen Francesca und Anna in einem sozialen Milieu, das ein Ausbrechen aus diesem schwer erscheinen lässt.

Bewegt hat mich die Art und Weise, in der es der Autorin gelingt, einen alles andere als packenden Alltag so bildlich darzustellen, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, eine Vorstellung über die beschriebenen Schauplätze des Geschehens zu gewinnen, die einem tatsächlichen Vorortsein fast schon glich. Die Beschreibung der Atmosphäre hat nicht nur meinen Geist, sondern auch meine Sinne geweckt und es war mir, als könnte ich beispielsweise die drückende Hitze spüren und die Luft am Strand riechen.

Die Darstellung der beiden Mädchen hat mich anfangs zugegeben etwas befremdet. Etwas zu offen wirkte mir zunächst die Beschreibung der sich entwickelnden sexuellen Reize der jungen Mädchen. Je weiter ich die LP jedoch las, desto mehr entschied ich mich dafür, dies als Mittel der präziseren Darstellung der Atmosphäre des Buches und der Situation der Freundinnen zu werten. So schien auch dieser zunächst befremdliche Faktor etwas wunderlich Falsches zu enthalten, das bei genauerer Betrachtung doch gar nicht allzu deplatziert wirkte.

Ich kann durch die Begrenzung der dargebotenen Seiten noch keine allzu festen Schlüsse bezüglich des Charakterdesigns treffen, doch ich wähne mich in der Vermutung, dass dieses äußerst interessant ausgelegt sein könnte. Raffiniert fand ich  in diesem Bezug die auffällig oft auftretende Einstreuung der Gedanken der Handelnden einer Szene zwischen den Dialogteilen, die eine weitere Ebene des Kennenlernens der Charaktere bot  als es die bloßen Worte getan hätten.

Von der Handlung selbst verspreche ich mir auf Basis dieser LP nicht allzu viel Herausragendes. Es wirkt bisher nicht so, als ob dieses Buch viel an Action zu bieten hätte. Das ist aber in meinen Augen kein Mangel, da ich hier gute Grundzüge für bewegende zwischenmenschliche Aktionen sehe und ich einem Buch durchaus auch viel Gutes abgewinnen kann, wenn es nicht mit Actionelementen überbeladen wird. Manchmal genügen die ganz alltäglichen Dinge, die das menschliche Leben eher tangieren, um eine gute Story auszumachen.

Ich bin gespannt darauf, wie sich „Ein Sommer aus Stahl“ im weiteren Verlauf des Buches entwickeln wird.