New York, New York!

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elliehwinter Avatar

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„Er sagte, ganz gleich, welche Rückschläge er im Leben erlitten hatte, wie niederschmetternd oder deprimierend die Ereignisse auch waren, er habe immer gewusst, dass er alles bewältigen könne, wenn er sich morgens beim Aufwachen auf eine Tasse Kaffe freuen konnte. Erst Jahrzehnte später erkannte ich, dass er mir damit einen Rat fürs Leben gegeben hatte.“

 

In diesem kurzen Abschnitt zeigt sich bereits die Genialität des Werkes, denn dies ist nicht die erste oder letzte Lebensweisheit in „Eine Frage der Höflichkeit“, ein Buch, an dem man leicht vorbeigeht aufgrund des einfach gestalteten Covers. Aber ein Blick in den Inhalt lohnt sich:

 

Nach dem Prolog 1966, findet sich der Leser im Jahr 1938 wieder, genauer gesagt am Silvesterabend 1937. In dieser Nacht und im darauffolgenden Jahr ändert sich durch die Bekanntschaft von Kate, Eve und Tinker deren gesamtes Dasein. Kate berichtet die Geschichte aus ihrer Sicht, aber der Autor hat es möglich gemacht mittels kurzer Passagen auch in Tinkers Leben Einblicke zu gewinnen. Kate arbeitet als Sekretärin und am Abend scheint sie das Leben eines Restaurantführers in New York zu leben, denn die Freitage gehören dem Gin. Die Freundschaft zu Eve ist ihr besonders wichtig und steht hinter ihrer eigenen Verliebtheit zu Tinker, der zunächst von Eve eingefangen wird. Doch Tinker hat ein Geheimnis, das ihn belastet. Eve kann er sich nicht anvertrauen und als Kate es herausfindet, ändert sich so manches im Leben aller.

 

Die unterschiedlichsten Charaktere prallen in diesem Roman aufeinander und Towles hat ein Talent dafür, sie in Szene zu setzen und jedem seine eigene Umgebung zu schaffen. Der Sprachstil ist gehoben und dennoch gut lesbar geblieben, besonders die kurzweiligen Dialoge von Kate, die nur spricht, wenn sie wirklich etwas zu sagen hat, sind mitreißend. Am Anfang des Buches hatte ich nicht erwartet, dass die Handlung so schnell an Fahrt aufnehmen würde und ich so gefesselt von einer Geschichte über Gesellschaftsleben in New York sein könnte. Doch es gibt noch einen anderen guten Grund dieses Buch zu lesen: es trägt wunderbare Buchempfehlungen in sich, die ihren Charakteren in der Handlung angepasst sind.

 

Am Ende finden sich dann auch noch die 110 Höflichkeitsregeln von George Washington zum Nachlesen – ich hätte noch ein Verzeichnis der genannten Bücher und Autoren gut gefunden, da mir insbesondere „Walden“ von Thoreau bisher nichts gesagt hat. Aber hinterher ist man bekanntlich klüger. Dieses Buch macht den Leser zufrieden, die Erklärungen zum Leben angenehm und erweckt den Wunsch New York zu erleben, in all seinen Facetten. Denn wie viel Einfluss diese Stadt auf die Helden des Romans hat, ist wirklich auffällig, aber verständlich.