Washington´s Knigge

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frobisch Avatar

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Die folgende Beurteilung leidet unter einem Mangel an Notizen, was einerseits meine Kompetenz als Rezensent diskreditiert, andererseits für die Qualität der jederzeit fesselnden Lektüre spricht, die offensichtlich keine Zeit ließ für ausführliche Aufzeichnungen.

Amor Towles Debütroman "Eine Frage der Höflichkeit" beinhaltet die Reminiszenzen einer älteren Dame an eine vergangene Zeit, beginnend in der Silvesternacht 1937. Kate und ihre Freundin Eve begegnen in einem Jazzlokal dem scheinbar gutsituierten Tinker Grey. Die Drei sind sich auf Anhieb sympathisch und es folgt eine kurze Zeit in Luxus und Ausschweifung, die nach einem Autounfall mit gravierenden Folgen jäh endet. Die Wege des Trios trennen sich und fortan rückt das Schicksal von Kate in den Fokus. Mit ihr ist dem Autor das Porträt einer schlagfertigen, witzigen, manchmal anarchischen Frau gelungen, die der Leser nicht so bald vergessen kann.

Es ist ein Buch von unerfüllter Liebe, beinahe pathologischer Courtoisie und Betrug, aber auch von Impressionen aus dem dekadenten New York am Vorabend des zweiten Weltkriegs, geschrieben in einer lässigen, gekonnten, unterhaltsamen Sprache, die, fast bin ich geneigt zu sagen, süchtig macht.

Ich empfehle dieses Buch Lesern, die auch Fitzgerald oder John O´Hara schätzen und unter der spritzigen Fassade den Anspruch erkennen werden. 10 Punkte mit Krönchen!