Familienbande

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
readit Avatar

Von

Diesmal ist es also ein Geheimnis aus der Vergangenheit von Ericas Mutter, um das sich das 5. Buch der schwedischen Erfolgsautorin dreht. Erica und ihr Mann Patrik wohnen mit Tochter Maya in Ericas altem Elternhaus. Beim Stöbern auf dem Dachboden findet Erica in einem alten Koffer ein paar Sachen ihrer verstorbenen Mutter: Tagebücher, ein Babyhemdchen mit Blutflecken daran und einen Orden aus dem 2. Weltkrieg. Diesen bringt sie zu Erik Frankel, einem pensionierten Geschichtslehrer, um mehr über dessen Herkunft zu erfahren. Vielleicht gibt es in den Tagebüchern einen Hinweis, warum die Mutter, Elsy, so gefühlskalt gegenüber ihren Töchtern Erica und Anna war. Erica hat sehr darunter gelitten, vielleicht noch mehr als Anna, denn sie hat immer versucht, Anna die fehlende Mutterliebe zu ersetzen. Die Tagebücher bringen ein anderes Bild von Elsy ans Licht: ein fröhliches junges Mädchen war sie, das mit seinen Freunden Frans, Britta und Erik ein relativ glückliches und unbeschwertes Leben führte, so wie man es zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs führen konnte.

Da schreckt ein Mord Erica und Patrik auf: der alte Geschichtslehrer Erik Frankel wurde ermordet. Patrik ist eigentlich im Erziehungsurlaub, aber hier kann er nicht anders: er muss ermitteln. Auch Erica hilft mit, denn es zeigt sich, dass der Mord mit Vorfällen aus der Vergangenheit ihrer Mutter zu tun hat. Auch Britta wird getötet, bevor Erica sie weiter zu ihrer Mutter befragen kann. Als dann weitere Tagebücher von Elsy auftauchen, liest man eine fast unglaubliche Lösung der ganzen Geschichte...

Mir haben die Krimihandlung und die Auflösung sehr gut gefallen, ebenso die Bezüge zum Rechtsextremismus im heutigen Schweden. Sehr gut waren die Einschübe über die Zeit des Widerstands während des Zweiten Weltkriegs und das Schicksal Axels, Erik Frankels Bruder. Das ist mir richtig unter die Haut gegangen. Wirklich lustig - fast ein running gag -  war wieder Mellberg, der auf den Hund kommt, sich verliebt und sogar Geburtshelfer sein darf. Die neue Kollegin Paula und ihre Lebensgefährtin sind sympathisch gezeichnet, das alles war rund. Nicht so rund hingegen war das Familienleben Ericas und Patriks, das mir etwas zu viel Raum in der Geschichte einnahm. Damit meine ich nicht die Geschehnisse um Ericas Mutter, sondern das ewige Gezänk um Kinderbetreuung und volle Windeln. Damit wird das Buch nur unnötig aufgebläht und langweilig, zumal sicherlich nicht alle Leser auch die vorhergehenden vier Bände gelesen haben und manches gar nicht einordnen können. Der wichtigste Hinweis - das blutbefleckte Babyhemdchen - wird gar nicht richtig zur Kenntnis genommen: als Polizist hätte ich das Hemdchen kriminaltechnisch untersuchen lassen. Insgesamt in meinen Augen ein etwas schwächerer Band der Reihe, deshalb gibt es auch nicht die volle Anzahl an Sternen.