Faszinierend und beklemmend zugleich

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stephie89 Avatar

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Der Klappentext hat mich vom ersten Moment an sofort angesprochen und zugleich ein sehr beklemmendes Gefühl in mir ausgelöst. Ich kann mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen als die einzig verbliebene (fruchtbare) Frau auf der ganzen Welt zu sein und kann mir gut vorstellen, welcher Druck deshalb tagtäglich auf Eve lastet. Nur sie allein kann für den Fortbestand der Menschheit sorgen, was bedeutet, dass sie zwingend Kinder zur Welt bringen muss, ob sie will oder nicht. Bei der Partnerwahl hat sie selbst noch halbwegs Glück, immerhin gibt es noch Männer in ihrem Alter. Männer, die in Liebesdingen vermutlich ebenso unerfahren sind wie Eve. Ihre Tochter, sollte sie jemals eine zur Welt bringen, müsste hingegen zwingend einen wesentlich älteren Mann zum Partner wählen.

Hinzu kommt die mit dieser Besonderheit zwangsläufig verbundene Einsamkeit. Eve hat keine wirklichen gleichaltrigen Freundinnen, mit denen sie sich austauschen oder unbeschwert über ihre Gefühle austauschen kann. Ihr ganzes Leben wird von anderen kontrolliert - vielleicht sogar manipuliert, denn das deutet der Klappentext an. Holly ist nur eine Illusion, wobei ich es irgendwie beruhigend finde, dass sie keine künstliche Intelligenz ist, sondern von einer kleinen Anzahl echter Menschen gesteuert wird.

Diesen Aspekt fand ich in der Leseprobe besonders interessant, also das Kapitel aus Brams Sicht. Ich hätte nicht gedacht, dass (unter anderem?) ein Mann in Eves Alter in Holly steckt, aber die Idee finde ich sehr faszinierend. Bram und Eve haben dadurch natürlich eine ganz andere Bindung zueinander als Eve jemals zu einem der potenziellen Partner wird aufbauen können, auch wenn sie sich bisher nie zuvor von Angesicht zu Angesicht begegnet sind. Bram war mir auf jeden Fall sofort sympathisch.

Die Szene mit Connor war natürlich ganz fürchterlich. Angekotzt zu werden ist mit Sicherheit eine Erfahrung, auf die wir alle gut verzichten können. So ganz habe ich auch nicht verstanden, wie es dazu kam. Lag es lediglich an dem Druck und der Nervosität? Ich kann für Eve nur hoffen, dass die Treffen mit den anderen beiden Kandidaten besser verlaufen.

Die Leseprobe hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ich habe die Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Trotz der widerlichen Szene hätte ich am Ende am liebsten sofort weitergelesen. Der Schreibstil der beiden Autoren lässt sich flüssig lesen und ich persönlich bin ein großer Fan wechselnder Ich-Perspektiven. Insofern bin ich sehr froh darüber, dass es (hoffentlich noch viele weitere) Kapitel aus Brams Sicht gibt. Dadurch kann man sich viel besser in die verschiedenen Charaktere hineinversetzen, finde ich. Ich bin nun jedenfalls sehr gespannt darauf, wie die Geschichte um Eve und Bram weitergeht, und welche Motive oder Ziele diejenigen, die Eves Leben bestimmten, tatsächlich verfolgen.