Wahnsinn!

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Eine Nacht im Januar 1985: Libby Day ist sieben Jahre alt, als ihre Mutter und ihre beiden nur wenig älteren Schwestern grausam ermordet werden. Sie kann sich verstecken und ist daher "Ohrenzeugin" des Mordes - und aufgrund ihrer belastenden Zeugenaussage muss ihr Bruder als Mörder hinter Gitter.

25 Jahre später lebt Libby in diesem noch unverarbeiteten Trauma ihres Lebens. Sie ist selbstzerstörerisch, unerträglich für ihre Umwelt, verbringt ihre Tage damit, sich den eigenen Tod vorzustellen und das Geld auszugeben, das vor allem aus Mitleid damals nach der Tat für sie gespendet worden war.
Nun aber neigt sich ihr Kontostand dem Nichts entgegen und Libby braucht Geld. Ein geregelter Tagesablauf kommt nicht in Frage, einen Beruf hat sie nicht gelernt und daher kommt es ihr ziemlich gelegen, als sie aufgrund des nahenden 25jährigen "Jubiläums" des Mordes von einer Gruppe Fanatiker, dem sog. "Kill Club", für das Erzählen ihrer damaligen Erlebnisse Geld angeboten bekommt.

Doch unter den Mitgliedern des Clubs sind auch Fans ihres Bruders, die mit ihren Zweifeln an dem damals von Libby geschilderten Tathergang und der Aussicht auf weitere Zahlungen an Libby dafür sorgen, dass sie sich mit den Personen aus dem damaligen Umfeld ihrer Familie in Verbindung setzt, mit den Resultaten aus diesen Gesprächen den Tathergang nochmals aufrollt und letztendlich versucht, den eigentlichen Mörder zu finden.

Libby sperrt sich zunächst, doch die klitzekleine Möglichkeit, dass ihr Bruder unschuldig sein könnte, bringt sie dann doch dazu, sich diesem steinigen Weg durch ihre traumatischen Erinnerungen und den bis dato so strikt gemiedenen Personen und Plätzen ihrer Kindheit zu stellen. Doch je enger ihre Kreise werden, desto mehr bringt sie sich auch selber wieder in Gefahr...

In den Kapitel springt Gillian Flynn zwischen Libby in der Gegenwart und Rückblenden zu jenem Januartag 1985 hin und her - und diese Rückblenden abwechselnd geschildert aus der Sicht von Ben Day (Libbys Bruder) und Patty Day (ihrer Mutter).
Diese Erzählweise katapultiert einen als Leser mitten ins Geschehen, hat mich aber aufgrund der depressiven Düsternis und der beklemmenden Atmosphäre - die ja letztlich schon deshalb vorhanden ist, weil man den Ausgang der Geschichte kennt, aber durch die Rückblenden nicht nur Libby, sondern auch den Opfern emotional so nahe kommt - oft so runtergezogen, dass ich das Buch immer wieder mal weglegen musste.

Und mein Fazit:
Ein außergewöhnlicher Thriller mit einer ungewöhnlichen "Heldin", der aber trotz einiger Längen sehr spannend und lesenswert ist!