Leseratte pur

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juggalette Avatar

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Für mich war „Firmin. Ein Rattenleben“ ein sehr schönes, unterhaltendes und vor allem kurzweiliges Vergnügen für Zwischendurch.

Firmin ist eine sehr sympathische, redefreudige und selbstironische Ratte, die schon in jungen Jahren ihre Leidenschaft für Literatur entdeckt, ein Buch nach dem anderen verschlingt und somit dem Begriff „Leseratte“ eine vollkommen neue Bedeutung verleiht. Einem Bücherfreund schlägt das Herz höher, wenn man verschiedene Zitate aus bekannten Werken von den Großen wiedererkennt und seine Leidenschaft mit dem kleinen Nager teilen kann.

Doch leider muss Firmin auch früh erkennen, dass er trotz seiner erstaunlichen Begriffs-, Aufnahmefähigkeit und Intelligenz nicht fähig ist sich über seine primitiven tierischen Einschränkungen hinwegzusetzen und sich seinen Mitmenschen „mitzuteilen“. Auch seine Tagträumereien und somit verbundenen Ausflüge in ihm bekannte literarische Welten, mit denen er sich gerne die Zeit vertreibt, kosten ihm fast das Leben, da er gerne vergisst, dass er doch bloß eine Ratte ist und den meisten Menschen nicht trauen kann...

Im Großen und Ganzen hat mir diese Geschichte sehr gut gefallen, da ich sie nie als langweilig empfand. Auch der Erzählstil war sehr flüssig, wobei ich mich zu Beginn etwas einlesen musste. Sie wird von Firmin erzählt, der die Sprache mit sehr viel Witz und Ironie ausstattet und Begebenheiten aus seinem Leben so wundervoll beschreibt und mit Details ausschmückt, sodass das eine oder andere laute Auflachen nicht lange auf sich warten lässt. Man kann sich das so vorstellen, als ob man eine lustige Anekdote von einem Freund erzählt bekommt.

Verwirrt hat mich allerdings das Ende. Obwohl sein Leben von Anfang an von Tragik begleitet und durchzogen war, empfand ich die Geschichte trotzdem als recht lustig - so nach dem Motto „don’t worry, be happy“. Deswegen hatte ich mich auch auf ein ganz anders Ende eingestellt und war am Schluss doch ziemlich traurig und auch irgendwie unbefriedigt...