Volltreffer

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stephi Avatar

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Dieses Buch ist für mich in jeglicher Hinsicht etwas besonderes.

Zum einen gefällt mir die Aufmachung außerordentlich gut. Der Rough Cut, den ich hier zum ersten Mal überhaupt gesehen habe, passt perfekt zum Inhalt des Buches und hat mein Lesevergnügen durchaus positiv beeinflusst.

Außerdem finde ich das Titelbild sehr bezeichnend für die Handlung. Es hat es mir sehr erleichtert, eine bildhafte Vorstellung von Firmin zu erlangen und meine Sympathie für ihn eigentlich bereits vor dem Lesen geweckt.

Auch der Inhalt hat mich überzeugt. Da wäre zunächst der ungewöhnliche aber grandiose Einstieg. Diese ganzen Zitate sind eine tolle Einführung, auch wenn Firmin das nicht so sieht und dann lieber noch einmal von vorne anfängt, was ich sehr niedlich finde.

Ja und dann die Geschichte selbst...immer wenn man denkt es geht nicht mehr schlimmer, ging es garantiert noch eine Stufe weiter runter für Firmin.

Er wird geboren als kleinstes und schwächstes Kind unter 13 Geschwistern. Die Mutter ist dem Alkohol nicht abgeneigt und kümmert sich nur sehr sporadisch um ihre Kinder. Firmin kann sich gegen seine Geschwister kräftemäßig nicht behaupten und befindet sich somit von klein auf im Kampf ums überleben.

Durch eben diesen Kampf entdeckt er schließlich seine Liebe zu Büchern, die in dem Keller, in dem er lebt, reichlich vorhanden sind und wird noch mehr zum Außenseiter der Familie. Als diese sich zerstreut, bleibt er als einziger in dem Haus zurück und lebt fortan zwischen den Büchern der Buchhandlung, die sich über dem Keller befindet.

Er identifiziert sich immer weiter mit dem Betreiber des Ladens und verliert nach und nach den Bezug zu seinen Artgenossen.

Vom Pech verfolgt stirbt Firmin mehrmals fast, weil er in den Menschen seine „Freunde“ sieht. Er geht einfach fälschlicherweise davon aus, dass sie ihn genauso mögen würden, wie er sie mag, aber der Durchschnittsmensch ist wohl eher weniger gut auf Ratten zu sprechen.

Seine Wünsche und Träume werden des Öfteren enttäuscht, aber Firmin lernt auch nicht wirklich daraus.

Aus dieser Naivität resultiert wohl auch das traurige Ende der Geschichte, wobei das letzte Kapitel für mich doch ziemlich verwirrend war.

Obwohl der Inhalt an sich nicht wirklich spektakulär ist, schafft es Sam Savage doch, mich als Leser zu fesseln. Zum einen möchte ich natürlich wissen, wie sich Firmin aus der ein oder anderen schwierigen Situation herausmanövriert, andererseits verliert er sich immer wieder in Tagträumen, die die Handlung spannender und interessanter machen.

Hinzu kommt, dass mir Firmin bereits ziemlich schnell sehr sympathisch war, so dass ich doch sehr häufig Mitleid mit dem kleinen Kerl hatte. Teilweise habe ich beim Lesen regelrecht vermenschlicht, da er durch seine Äußerungen schon auch zeigt, dass er sehr gescheit ist.

Damit bin ich dann auch schon bei der Sprache. Hier bekommt man als Leser eine gute Mischung aus gehobenem Ausdruck und umgangssprachlichen Formulierungen geboten, was das Geschehen in meinen Augen auflockert. Es zeigt sich, dass Firmin einerseits gebildet ist, eben weil er so viel liest, andererseits aber auch geprägt ist von dem Geschehen auf der Straße. Denn obwohl er das Leben "draußen" nicht mag, ist er gezwungen, gelegentlich daran teilzunehmen, weil er sich Nahrung suchen muss.

Alles in allem ist „Firmin – Ein Rattenleben“ für mich ein sehr schönes, sehr gut gelungenes Buch, was es durchaus auch wert ist, irgendwann noch einmal gelesen zu werden. Ich bin auf der ganzen Linie begeistert.