Frostblüte

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schwarzesschaf Avatar

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Eins vorweg: Ich habe das Buch gestern Abend angefangen, wollte nur mal kurz reinschauen, und war dann um halb 4 fertig. Gott sei Dank hatte ich heute frei, sonst hätte ich mich wohl kaum aus dem Bett zwingen können.

Das Buch hat mich wirklich - und eigentlich eher unerwartet - ziemlich begeistert. Es erinnert mich sehr an die Werke von Nina Blazon (Ascheherz, Faunblut) aber auch an Lynn Ravens Spiegel von Feuer und Eis, allerdings ohne dass ich konkrete Beispiele innerhalb der Geschichten nennen kann, es war etwas ganz Neues für mich, das trotzdem vertraut wirkte.

Die Geschichte ist eigentlich recht simpel. Frost, ein Mädchen das einen Wolsdämonen in sich trägt, der immer dann herausbricht und die Kontrolle übernimmt, wenn sie verletzt wird, irrt alleine durch das Land auf der Suche nach der Feuergöttin, die angeblich alle Krankheiten und Flüche heilen kann. Dabei kommt sie in das Königreich Ruan, in dem die Bergwache, eine bunt zusammengewürfelte Truppe Soldaten, gegen Aufständische kämpfen, die ausgerechnet den Ort besetzen, an dem Frost die Feuergöttin vermutet. Sie stößt eher unfreiwllig auf Luca, den Anführer der Bergwache, und schon werden alle ihre Vorsätze, sich nicht unter Menschen aufzuhalten, um für diese keine Gefahr darzustellen, über den Haufen geworden.

Was mir besonders gefallen hat, war Frosts Charakter. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, ob ich mich mit ihr würde anfreunden können, weil sie auf den ersten Seiten nicht gerade gut wegkam und Luca und sein Leutnant Arian interessanter wirkten. Doch sobald die Autorin sich das erste Mal ausschließlich auf die einsame und deswegen störrische Frost konzentrierte, war ich hin und weg. Ihre Geschichte wird in mehreren Rückblicken erzählt, die erst nach und nach ein Ganzes ergeben aber dennoch schon nach dem ersten Teil die schrecklichen Ausmaße ihrer Vergangenheit erahnen lassen. Sie ist ein faszinierender und starker Charakter, der sich trotz der Tendenz, lieber wegzulaufen als zu kämpfen, durchaus zu wehren weiß und nicht auf eine starke Schulter angewiesen ist - das ist ein riesiger Pluspunkt, weil mich schwache Frauen in solchen Genres immer unheimlich nerven.
Aber auch Luca und Arian wissen zu punkten. Beide haben ebenso schwere Zeiten hinter sich wie Frost und verstehen sie deshalb auf ähnlichen wenn auch gleichzeitig völlig unterschiedlichen Ebenen. Chaos ist da vorprogrammiert, aber keine Sorge - die Dreiecksliebesgeschichte hält sich im Rahmen und dominiert in keinster Weise das Geschehen, auch wenn sie zwischendurch für den ein oder anderen Umbruch in der Story sorgt.

Die Geschichte der drei Länder, in denen das Buch spielt oder von denen berichtet wird, ist gut erzählt und bietet einen soliden Hintergrund, auch wenn sicherlich genug Potential vorhanden ist, das mehr auszuschmücken als hier geschehen ist. Aber da ich den Vorgänge nicht gelesen habe kann ich nicht beurteilen, inwiefern dort schon Informationen gegeben wurden.

Trotz kleinerer Unstimmigkeiten in der Handlungsabfolge oder bei manchen Charakterentscheidungen (vor allem zum Schluss) hat mich Frostblüte wirklich ausgesprochen gut unterhalten - wie gesagt, ich konnte nicht aufhören zu lesen und hatte es in einer Nacht durch. Den Personen habe ich mich direkt verbunden gefühlt, besonders Frost innere Zerrissenheit habe ich sehr intensiv wahrgenommen, und die Geschichte wurde so auch noch nicht erzählt, oder zumindest habe ich sie so noch nicht gelesen.