Zu viel Perfektion ist eben doch nicht immer perfekt!

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finiwini Avatar

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"Oh Herr, wirf Hirn vom Himmel. Oder wenigstens einen Mann." So steht es auf dem Klappentext des Frauenromans "Für immer und eh nicht" von Heike Wanner. Alles deutet darauf hin, dass Theresa, die Protagonistin, genau dieses Stoßgebet zum Himmel gesendet haben könnte. Denn eigentlich hat die Apothekerin die Hoffnung schon aufgegeben, ihrern Traummann zu finden. Ob das vielleicht auch teilweise an ihren Vorstellung von einem Traummann liegt? Sicherlich! Denn in ihrem Träumen ist er gutaussehend, braun gebrannt, muskulös, hat ein Schloss, Pferde ist über die Maße höflich, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab... Tja, diesem Ideal scheint nur leider niemand zu entsprechen. Bis der Mann ihrer Träume auf einmal vor ihr steht. Und damit ist nicht gemeint, dass dieser Mann ihren Träumen entspricht, nein er IST ihr Traum. Er scheint direkt aus ihren Träumen zu ihr auf die Erde gekommen zu sein. Und das ist noch nicht einmal so falsch. Raphael, so heißt der Gute, ist nämlich ein Engel. Er wurde von Adam, Eva, Maria, Gabriel und Petrus auserwählt, nachdem Adam und Eva aus einem Streit heraus die Wette abgeschlossen hatten, dass eine Frau mit einem Mann glücklich werden kann, wenn dieser nur ganz genau ihren Vorstellungen entspricht. Raphael wurde also genau nach Theresas Wünschen modelliert. Und anfangs gefällt ihr ihr perfekter Traummann ja auch, aber dann muss Theresa feststellen, dass zu viel Perfektion nicht zwangsläufig zu einer perfekten Beziehung führen muss.

Normalerweise kann ich mit Frauenromanen nichts anfangen, aber die Inhaltsangabe klang so vielsversprechend, dass ich das Buch einfach haben musste. Ich fand es sei mal eine gute Abwechslung zu den ganzen Frauenromanen, die sonst so in pink und rosa auf den Ausstelltischen der Buchhandlungen zu finden sind. Und so war es dann auch. Das Buch hat wirklich eine message, die ich jetzt natürlich nicht verrate, die sich euch aber recht rasch erschließen wird. Es war tiefgründiger als ich gedachte hatte und trumpfte mit reichlich Humor und Leichtigkeit auf. Genau das richtige für stressige Tage, an denen man einfach nur entspannen und den Alltag vergessen möchte.

Der "Prolog im Himmel" hatte natürlich Anklänge an Goethes "Faust", was durch die Wette nur noch deutlicher wird. Allerdings handelt es sich hier um eine Wette zwischen Adam und Eva und nicht zwischen Gott und Mephisto. Alles in Allem halte ich das für eine witzige Idee. Man sollte allerdings nicht allzu verbissen sein, was Religion und Glaube angeht, sonst fühlt man sich vielleicht auf die Füße getreten, da sie Autorin doch mit sehr viel Witz und Leichtigkeit an Personen wie Petrus, Erzengel Gabriel usw. herangeht. Die Tatsache, dass sie von der Autorin hingestellt werden, als haben sie nichts Besseres zu tun, als so eine doch recht alberne Wette abzuschließen, mag den einen oder anderen vielleicht ein wenig verärgern. Ich gehe allerings nicht allzu streng an solche Dinge heran, außerdem hat die Autorin diese Hürde auch wirklich sehr gut gemeistert, in dem sie das alles sehr liebevoll und humorvoll dargestellt hat. Man konnte die Sache also gar nicht so eng sehen. Daher fand ich persönlich die Idee mit diesem "Stammtisch" der eine Wette abschließt und darüber Protokoll führt nicht unbedingt anstößig. Wäre der Prolog anders gewesen, hätte es der Geschichte vielleicht den Humor genommen, trotzdem fand ich den Prolog nicht zu hundert Prozent gelungen.

Der Roman ist aus der Sicht von Theresa geschreiben. Zwischendrin sind allerings immer wieder die Protokolle abgedruckt, die Eva im Himmel über den Verlauf der Wette verfasst.

Besonder gut hat mir gefallen, dass sowohl Eva als auch Gabriel immer wieder SMS an Raphael schreiben, um ihm den richtigen Umgang mit Theresa näher zu bringen und ihm Tips zu geben oder zu ermahnen.

Der Schreibstil war sehr amüsant. Die Autorin weiß, wie sie ihrer Leser unterhalten kann. Theresa hat mir als Person am besten gefallen. Sie hat Schwächen und Fehler, allerdings würde ich sie nicht als weinerliche oder schwache Frau bezeichnen. Meistens sind solche Exemplare ja Protagonistinnen in Frauenromanen. Dass es hier nicht so ist hat mir gut gefallen. Theresa ist ungewollt witzig und teilweise recht tollpatschig. Auf ihre witzige und einzigartige Art wächst sie einem schnell ans Herz. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter hat die Autorin wahnsinnig lustig geschildert. So oder so ähnlich hat das wohl jeder von uns schon erlebt. Auch Theresas Bruder war sehr authentisch. Als der typische "Aufreißer" geht er seiner Schwester manchmal ganz schön auf die Nerven. Doch seinem Charme kann einfach kein weibliches Wesen widerstehen.

Der Schluss war nicht so ganz nach meinem Geschmack! Er war mir fast ein wenig zu abgehackt. Ich hätte mir gewünscht, noch einen kurzen Epilog lesen zu dürfen. Quasi als kleinen Blick in die Zukunft. Nur um zu wissen, was aus den Protagonisten wird und wie sich Theresas Beziehung und die ihrers Bruders entwickelt.

Ansonsten hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Wenn man die kleinen Abzüge für das Ende und die Tatsache, dass die Szenerie im Himmel mir persönlich nicht ganz so gut gefallen, da es mir schien als sei alles etwas "belächelt" worden (ist auf jedenfall eine Frage des Glaubens, ob einem der Prolog gefällt oder nicht!) mit einrechnet, bleiben gute drei Sterne übrig. Der Schreibstil, die Charaktere und der Humor des Romans haben mich definitiv überzeugt! Ein gelungens Buch, dass sicherlich jeder Frau an der einen oder anderen Stelle ein Grinsen ins Gesicht zaubern wird, da sie sich mit Theresa identifizieren wird ;).

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