Mexiko? Nein danke!

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laslojamf Avatar

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Was für ein Buch! Kaum zu glauben, dass es eine US-Amerikanerin geschrieben hat, so authentisch wirkt das hier Erzählte. Immerhin hat Jennifer Clement lange recherchiert und mit zahllosen mexikanischen Frauen und Mädchen gesprochen, um diesen Roman schreiben zu können. Ein ganz großer Wurf kam dabei heraus. Die Ich-Erzählerin, die von ihrer Mutter LadyDi genannt wird, was kein Kompliment, sondern eher ein Fluch ist, erzählt uns ihr Leben als Heranwachsende in Mexiko. Hier sind wir Leser ziemlich perplex und wollen denken: "Na ja, es ist ja nur ein Roman". Doch was hier beschrieben wird, ist zwar formal ein Roman, doch solches oder ähnliches spielt sich, so müssen wir befürchten, in Mexiko fast täglich ab. Was tun, wenn man vom Mädchen zur Frau wird? Da Entführungen insbesondere hübscher Mädchen durch die offenbar in diesem Land allmächtigen Drogenkartelle mehr oder minder an der Tagesordnung sind, gilt es , sich mindestens häßlich zu machen, um nicht als Bespaßungsfick eines Drogenbarons zu enden. Die Zustände, die in diesem Roman geschildert werden, sind vordergründig unglaublich, doch das liegt eben an uns als europäischen Lesern, die hier lernen können, wie es in anderen Erdteilen so zugeht, in denen bspw. die Polizei zu rufen, wenn man sich ins Unrecht gesetzt fühlt, eine ganz schlechte Idee ist.
Dabei hat diese Schilderung des Lebens eines Mädchens in Mexiko auch anrühernde Momente, insbesondere die geschilderte Haft (sie hat ziemlich viel Pech und gerät ohne eigenes Zutun in einen Mordfall) hat mich gerührt. Es ist vielleicht an uns allen etwas, auf was unsere schlechten Taten keinen Zugriff haben. Die Zellengenossin der Erzählerin verhält sich dieser gegenüber loyal und solidarisch, nur quasi nebenher erfahren wir, dass sie ihre beiden Kinder umgebracht hat...
Mich hat der Roman rundum begeistert, und ich wünsche ihm viele Leser.