Man kann nicht alles haben

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58hmk Avatar

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Ariel Levy ist ein leidenschaftliches Kind, energisch und sie will von allem zuviel - meint ihre Mutter. Freundinnen hat sie keine, sie ist eine Einzelgängerin, die am liebsten mit dem Vater "Mumie und Forscher" spielt.

Als die Besuche eines "alten" Freundes immer häufiger werden, merkt Ariel, dass dieser Freund der Liebhaber ihrer Mutter ist. Die Eltern lassen sich scheiden und Ariel hat nur Halt in ihrer Liebe zum Schreiben, die sie schon mit 8 Jahren mithilfe ihres Tagebuches auslebt.....

Auf Ariel wird die Redaktion nach miesen jobs durch eine Reportage aufmerksam. Sie kämpft sich als Frau nach oben, trotz Mißgunst und Mobbing durch die mehrfach männlichen Kollegen. Sie ist eine angesagte Journalistin, die in der Weltgeschichte herumreist.

Nach einigen belanglosen Liebschaften lernt die junge Ariel die lesbische Lucy kennen, die noch in einer Beziehung steckt.Sie wird Ariels große Liebe, trotzdem
ist Ariel nicht treu. Sie kaufen ein altes Haus und richten es liebevoll her. Ariel ar-
beitet hart an ihrer Karriere und die um einige Jahre ältere Lucy zieht ein eigenes Unternehmen auf. Sie heiraten. Die Rollen sind klar verteilt. Ariel ist die Frau und Lucy der "Ernährer".

Irgendwann spürt Ariel, es stimmt etwas nicht mehr in ihrer Beziehung. Lucy hat ein Alkoholproblem. Ariel setzt sie unter Druck und Lucy verheimlicht ihr Dilemma. Ihr Unternehmen geht den Bach hinunter, sie kümmert sich um nichts mehr, ist mittlerweile hoch verschuldet und will Selbstmord begehen.

Währenddessen wünscht sich Ariel ein Kind, immerhin ist sie schon 37.... Lucy ist nicht begeistert und fühlt sich abgeschoben. Das Sperma kommt von einem wohlhabenden Freund, der gerne aus der Ferne Vater wäre und die Reproduk-
tionsmedizin machts möglich.

Ein letztes Mal vor der Geburt des ersehnten Kindes will Ariel eine Reportage in Ulan Bator machen. Sie ist im 5. Monat und Fliegen ist unbedenklich. Nach ein paar Tagen .......
hat sie ganz alleine im Hotelzimmer eine Fehlgeburt. Der Junge ist wunderschön und sie wird ..............................
sich den Rest ihres Lebens nach diesem Kind sehnen. Ist sie daran schuld? Sie ist
traumatisiert und total verzweifelt.

Lucy holt sie vom J.-F.K.-Flughafen ab und alles ist aus und vorbei. 10 Jahre sind auf einmal nichts mehr wert. Lucy hat sich anders entschieden, Ariel ist mit ihrer Trauer, der Verzweiflung und den Selbstvorwürfen allein.

Wann begann ihr Leben aus dem Ruder zu laufen? War sie zu ehrgeizig? Warum be-
merkte sie die Alkoholsucht ihrer Partnerin so spät (Alkoholikersind Meister im Verschleiern) und warum hat sie sich so bereitwillig über das Ausmaß der Krankheit belügen lassen? Alles nur ihrer Karriere wegen? Oder liebte sie Lucy nicht genug? Und vor allem: Hätte sie etwas ändern können?

Ein kleines Buch im knallorangefarbenen Schutzumschlag, geschrieben in einer klaren, schnörkellosen Sprache, schonungslos offen und mit einer bewegenden Geschichte von Ehrgeiz, Liebe, Verlust und Trauer. Eine Geschichte, wie sie jedem von uns auf die eine oder andere Art passieren kann, egal ob hetero-, bi- oder homosexuell. Es ist für jeden das gleiche Leid, einen geliebten Partner und die gemeinsame Zukunft zu verlieren. Und Ariel zerfleischt sich in Selbstvorwürfen, glaubt sie doch, am Tod ihres Kindes schuld zu sein.

Sie erkennt: Man kann nicht alles haben. Ihr bleibt der Journalismus, die Liebe zum Schreiben und die Hoffnung auf einen Neubeginn....

Ich habe dieses außergewöhnliche Buch "verschlungen", bin selbst mehrfache Mutter und Großmutter und konnte mich beim lesen an vielen Stellen in Ariel "hineinversetzen". Die Biologie macht aus uns Frauen "Mütter" - ein Gefühl, das kein Mann je kennenlernen wird. Dieses Buch ist jeden einzelnen der 5 Sterne wert!