Loslassen können

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linaliesthalt Avatar

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Hannes liegt nach einem schweren Unfall im Koma. Neben ihm am Bett harrt sein bester Freund, Uli, der die Hoffnung nicht aufgeben will, dass Hannes doch noch aufwacht und sein Leben wieder in Ordnung kommt. Tag für Tag besucht er Hannes im Krankenhaus und erzählt ihm von seinem Leben, liest ihm aus der Zeitung vor und versucht ihn, wo immer möglich, einzubinden. Mit jedem Tag, den Hannes nicht aufwacht, geben alle anderen die Hoffnung auf, doch nicht Uli, dem klar ist, dass sein richtiges Leben erst wieder weitergeht, wenn sein bester Freund wieder gesund ist.
Hautnah erlebt man das Hoffen und Bangen, die ohnmächtige Wut auf die eigene Hilflosigkeit und die der behandelnden Ärzte mit und das langsame Begreifen, dass Menschen mit ihrer Trauer unterschiedlich umgehen müssen. Ulis Unverständnis und die Vorwürfe, die er seinem Umfeld macht, auch Hannes Familie, die schneller zu einer Art Akzeptanz und Aufgabe finden, rühren an und spiegeln die Verzweiflung der jungen Menschen wieder, die sich am Anfang ihrer Lebens glaubten und nun erkennen müssen, dass ein kurzer Augenblick genügt und nichts ist mehr wie vorher.
Rita Falk ist mit „Hannes“ ein berührender Roman über eine tiefe Freundschaft, das Leben und Loslassen gelungen, der noch lange nachhallt. Die Entwicklung, die Uli in dem Jahr durchmacht, ist beeindruckend und die Erkenntnis, dass trotzdem für alle Beteiligten das Leben weiter gehen wird, tröstlich.
Ein Buch, für das man sich unbedingt Zeit nehmen sollte.
Aufmerksam geworden bin ich durch das gelungene Cover, das mit seiner verblassenden Schrift und den fallendem Kastanienblatt das langsame Verschwinden und Verblassen von Hannes perfekt ausdrückt, ohne dass es zu schwer und überladen wirkt.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.