Unglaublich emotional und berührend!

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traum.tänzerin Avatar

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Seit einem tragischen Motorradunfall liegt Ulis bester Freund Hannes im Koma und niemand kann mit Gewissheit sagen, ob er je wieder daraus erwachen wird. Für Hannes' Eltern, Freunde und Bekannte, die der Beinahe-Verlust des geliebten Sohnes und Freunds schwer getroffen hat, geht das Leben aber weiter und jeder verarbeitet diesen Schicksalsschlag auf seine Weise. So auch Uli. Neben seiner Arbeit als Zivildienstleistender in einem Heim für psychisch labile Menschen, besucht er Hannes jeden Tag im Krankenhaus. Er berichtet ihm von seinem Alltag und seinen Erlebnissen, spricht über seine Gefühle, liest ihm aus der Zeitung vor oder ist einfach bei Hannes um seine Gegenwart zu spüren. Nebenbei verfasst Uli Briefe an seinen besten Freund in denen er all dies festhält, was Hannes mit jedem weiteren Tag, den er im Koma liegt, verpasst. Irgendwann, dessen ist sich Uli sicher, wird er die Briefe Hannes übergeben können - dann, wenn Hannes wieder gesund ist...

Rita Falks aktuelles Buch "Hannes" zeigt eine ganz andere Seite der Autorin, wie man es bisher von ihren Provinzkrimis gewöhnt ist. Zuerst war ich etwas irritiert von der Sprache, die zwar nicht so gewöhnungsbedürftig ist wie von den Eberhofer-Krimis, aber deutlich Rita Falks Handschrift trägt. Da die Handlungen in Bayern angesiedelt sind und aus der Sicht eines jungen Mannes geschrieben wird, lässt die Sprache das Ganze viel authentischer wirken und schon nach kurzer Zeit taucht man völlig in Ulis Gefühlswelt und sein Leben ein.

Noch nie habe ich einen Protagonisten so sehr ins Herz geschlossen wie Uli. Es ist bewundernswert, wie er nie die Hoffnung auf Hannes' Genesung aufgibt, egal, wie schlimm es um seinen Freund steht. Und egal, in welchem Zustand er sich befindet, Uli ist jeden Tag an seiner Seite. Im Gegensatz zu anderen Freunden, die Hannes' Dahinsiechen bald nicht mehr mitansehen können. Da rutscht Uli gelegentlich schon mal die Hand aus. Beeindruckend ist auch sein Umgang mit den Menschen im Heim, die er mit Respekt und Würde behandelt. Man stellt fest, dass unter anderem Schicksalsschläge, die sie nicht verarbeiten können, der Grund sind, warum sie in diese Einrichtung kamen. Die Arbeit macht Uli Spaß, lenkt ihn ab und mit kleinen Gesten macht er das Leben dieser Menschen ein Stück glücklicher. Quälen ihn seine Sorgen um Hannes zu sehr, steht ihm die Heimleiterin Schwester Walrika mit Rat und Tat zur Seite. Neben seiner Arbeit, den natürlichen Bedürfnissen und Pflichten, erinnert sich Uli an seine Kindheit mit dem besten Freund, die Streiche, die sie ausheckten, ihre ersten Erfahrungen mit Mädchen und gemeinsame Partys. Er wird auch manchmal von Wut überwältigt, weil nichts mehr so ist wie vor dem Unfall. Er ist wütend auf sich selbst, auf Hannes, auf jeden und alles. Doch am meisten quält Uli die Angst, die große Angst seinen besten Freund für immer zu verlieren.

Ich gebs zu, ich hatte während des Lesens fast ständig Tränchen in den Augenwinkeln, aber der Roman ist keineswegs durchgehend trostlos und traurig. Witzige Anekdoten lassen den Leser schmunzeln und auflachen. Dabei handelt es sich niemals um pietätlose Witze, sondern es sind Momente, in denen man merkt, dass das Leben schön ist, auch wenn die momentane Situation noch so ausweglos scheint. Am Ende des Buches flossen die Tränen trotzdem in Sturzbächen. Die Geschichte um Uli und Hannes ist völlig aus dem Leben gegriffen und man behält immer im Hinterkopf, dass jeden von uns ein solcher Schicksalsschlag treffen kann.

Der Tod gehört zum Leben, dennoch ist es für Angehörige schlimm, wenn ein geliebter Mensch stirbt, besonders, wenn es sich um einen jungen Menschen handelt. Jeder verabschiedet sich auf seine Art von dem Verstorbenen, so wie es Uli mit seinen Briefen macht, in denen er die schönen, aber auch die Schattenseiten des Lebens festhält, für was es sich zu leben lohnt und wann es Zeit ist Abschied zu nehmen.

Es ist unglaublich welch ein Spektrum von Gefühlen dieser Roman auslöst, welche Kraft hinter allem steckt! Mit "Hannes" ist Rita Falk ein berührender, emotionaler Roman in Briefform gelungen, der den Leser mitten ins Herz trifft!