Hochzeitswahnsinn

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wölkchen Avatar

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Dieses Buch ist perfekt – perfekt für meine Zwecke! Es wird keinen festen Platz in meinem Bücherregal finden, stattdessen soll es an möglichst viele Familienmitglieder und Freunde verliehen werden, aber erst, nachdem ich einige Seiten herausgerissen habe. Wer mich kennt, wird bei diesen Worten verwundert aufhorchen: Normalerweise behandle ich meine Bücher äußerst sorgfältig und bin schon den Tränen nahe, wenn eine Seite versehentlich einen Riss bekommt. Womit hat dieses Buch das also verdient? Hat es mir etwa nicht gefallen? Im Gegenteil – ich habe beim Lesen geschmunzelt, laut gelacht und an vielen Stellen zustimmend gebrummt. Das Buch kann nichts dafür, dass ich es gnadenlose instrumentalisiere und für meine Zwecke missbrauche.

Warum? Dieses Buch liefert mir einfach alle Argumente, die ich bisher zwar vage im Kopf hatte, aber bei weitem nicht so treffend formulieren konnte, wie es Filippa Bluhm gelungen ist. Argumente, mit denen ich die Frage beantworten kann, warum ich denn nicht endlich heiraten möchte. In Zukunft werde ich jedem, der es wagt, diese Frage zu stellen, als Antwort das Buch in die Hand drücken. Sie sollen selbst lesen, wie Charlotte ab dem Zeitpunkt der Verlobung nicht mehr zur Ruhe kommt. Von Diskussionen über die Gästeliste, von der zermürbenden Locationwahl, über die aussichtslose Suche nach dem perfekten Hochzeitskleid (dabei soll es doch einfach nur schlicht sein), bis hin zum Hochzeitsmotto und zu Corporate Colours - Charlotte kann sich dem nicht entziehen, Familie und Freunde haben genaue Vorstellungen davon, wie so eine Hochzeit auszusehen hat und setzen alles daran, auch die Braut davon zu überzeugen. Beim Lesen konnte ich, ähnlich wie die zukünftige Braut, an vielen Stellen nur laut „Neeeiiiin“ rufen. Derart pointiert und überzeugend beschreibt Filippa Bluhm den Hochzeitswahnsinn, dass man gar nicht anders kann, als sich insgeheim zu beglückwünschen, dass man sich dieser ganzen Hochzeitsmaschinerie bisher nicht unterworfen hat, sondern standhaft widersteht. Und mit diesem Buch werden hoffentlich auch alle Bekannte verstehen, warum.

Eine kleine Einschränkung muss ich machen: Auch in diesem Buch gibt es Passagen, insbesondere gegen Ende des Buches, in denen recht versöhnlich mit dem Thema Hochzeit umgegangen wird. Frei nach dem Motto „Ende gut, alles gut“. Nein, das passt mir so gar nicht ins Konzept, raus damit, durchgestrichen, unkenntlich gemacht, die letzten Seiten komplett rausgerissen…

Noch ein kleines Geständnis: Die rausgerissenen Seiten habe ich nicht etwa in den Müll geworfen. Sie warten sicher verwahrt in meiner Schreibtischschublade auf den Tag, an dem ich wider Erwarten gute Argumente FÜR eine Hochzeit brauche.