Durchhalten lohnt sich!

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ritaskeeta Avatar

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Diese Sachbuch-Romanbiographie-Satire-Kritik ist besser, als es die ersten Kapitel (und die Leseprobe) erwarten lassen. Vor allem sollte man sich von der vulgär-ordinären (positiv ausgedrückt: direkt-unverblümten) Sprache nicht abschrecken lassen, besonders im Porno-Kapitel (leider gleich am Anfang), wo die Leserin das Gefühl hat, hier kann die Autorin nicht oft genug abschreckend-hart krasse Sexpraktiken benennen, nur um zu zeigen, was für eine coole Sau sie ist?!

Da muss Otto-Normalverbraucherin (gibt's dafür eigentlich ein weibliches Pendant?) schon manchmal schlucken ob der Derbheit der Ausdrucksweise - na, und als armes Ossikind ist man in den zweifelhaften Genuss der wahrlich (da stimme ich mit der Autorin überein) stupide-einfältigen Ergebnisse dieser größten Entertainment-Industrie für Männer gekommen. Gut, verpasst habe ich da offensichtlich nichts.

Teilweise muss frau (v.a. wenn sie schon unabhängig denken kann und sich als Feministin versteht) auch darüber hinwegsehen, dass sich weite Teile des Buches mit Problemen herumschlagen, die in erster Linie den amerikanisch geprägten Teil der (weiblichen) Welt plagen: die unglaubliche Fixierung auf das Fett-sein, der Hochzeitstag als das einzige Ziel und "der schönste Tag" im Leben einer Frau oder der sprichwörtliche Schuh- und Handtaschenfetischismus. Das ist schon stark von Sex-and-the-City und sämtlichen romantic comedies aus Hollywood beeinflusst - und eigentlich keine Probleme meines Bekanntenkreises.

Aber vielleicht ist das auch gerade die richtige Zielgruppe: die, die es mit Feminismus bisher nicht so hatten und viele der Missstände und Diskriminierungen, den latenten Sexismus unserer Medien- und Konsumgesellschaft und unserer Arbeitswelt noch gar nicht so wahrgenommen haben - und sich unkritisch vom Sog all der impliziten Vorschriften (was man haben muss/nicht anziehen darf, all die "Do's" und "don'ts", Problemzonen, Modeerscheinungen, styles usw. usf.) haben mitreißen und unterbuttern lassen. Irgendwo kommen ja die massenhaften Essstörungen her, der Berufswunsch Star zu werden u.ä. Und genau diese Mädchen und Frauen sollten tatsächlich dieses Buch lesen - und es nicht angeekelt wegen der Anfangskapitel zu Menstruation, Busen und eben Pornos weglegen. Ganz plötzlich ist dann nämlich alles "normal", nachdem Moran gezeigt hat, dass sie sich vor nichts scheut.

Durchbeißen, mitdenken - und oft, sehr oft herzlich lachen, gackern, "ja, genau!" rufen und sich am Ende VIEL besser fühlen!

Trotzdem "nur" drei Sterne (gut, nicht Spitze), weil das Buch zu sehr schwankte zwischen (scheinbaren? und später unterwanderten) Platitüden, Teenie-Hormonstau-Erinnerungen, bissig-witzigen Anekdoten, herrlichem Humor und echtem engagierten Aufklärertum. Und ich mich stellenweise fragte, wer bitte 17 Euro für ein derart "englisches" und eben tatsächlich feministisch-engagiertes Buch auf diesem sprachlichen Unterschichtniveau bezahlen wird? Wie soll die echte Zielgruppe merken, dass sie gemeint ist?