Auf Dauer etwas anstrengend…

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iböi Avatar

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„Ich hab’s auch nicht immer leicht mit mir: Prosecco zum Lesen“ betitelt Anne Vogd ihr erstes Buch.
Die Kabarettistin hat ihre eigene Serie im SWR 3 und schreibt regelmäßig Kolumnen für diverse Zeitschriften. Nun hat sie sich, ihr Leben, ihre Familie und Mitmenschen in Buchform auf die Schippe genommen.
Als gebürtige Rheinländerin kommt sie wohl aus dem Karnevalsmodus kaum heraus, jedenfalls hatte ich bei dem Hörbuch, mit dem ich angefangen habe, ständig das Gefühl, ich bin bei einer Karnevalssitzung mit dabei, was sowohl mit Frau Vogds Dialekt, als auch ihrer sehr schnellen Sprechweise und Satzmelodie zu tun hatte. Von der Geschwindigkeit her hatte ich das Gefühl, Maschinengewehrsalven ausgesetzt zu sein – man muss höllisch aufpassen, dass man nichts verpasst. Mal eben nebenbei zuhören geht einfach nicht, außer bei etwas inhaltlich komplett anspruchslosem wie z.B. Bügeln… Das Buch, bei dem man sein eigenes Tempo vorlegen kann, war da deutlich angenehmer.
Inhaltlich geht es querbeet: vom eigenen Mann, der leider teils so schlecht wegkommt, dass man Mitleid mit ihm hat, über die Tochter bis zu den Mitmüttern in Kindergarten und Schule, den Kollegen, das Bahn- bzw. Autofahren, es gibt kaum eine Alltagssituation, die nicht aufs Korn genommen wird. Dabei ist die Autorin teils dezent humorvoll, teils mit Poltscher Spitzfindigkeit bis hin zum Fremdschämen…
Viele Szenen erkennt man selbst wieder, manche Ideen fand ich witzig (die Tochter zum Zimmeraufräumen zu verdonnern, indem man das Taschengeld im Zimmer versteckt) – nicht immer konnte ich mich ganz damit identifizieren und Anne Vogds armer Ehemann hat sich stellenweise ein Schmerzensgeld verdient, auch wenn sie sich selbst dann ebenfalls „heruntermacht“.
Alles in allem sehr unterhaltsam, allerdings am Stück kaum zu genießen, eher ab und an in homöopathischen Dosen.