Vier Freunde? Auf der Flucht?

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pompeiana Avatar

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 Vier Menschen in einem Auto, zwei verletzte Männer im Fond, die Fahrerin und ihre schlafende Beifahrerin. Vier Freunde? Auf der Flucht? Diese Fragen stellen sich nach der einleitenden Passage des Romans "Ich habe Freunde mitgebracht", dessen Autorin Lucy Fricke im Leser so entsprechende Neugier weckt.

 

Im Rückblick entwickelt sie die eigentliche Handlung des Romans. Die Protagonisten werden in wechselnden, aber geschickt miteinander verknüpften Szenen vorgestellt. Nach und nach erfährt man immer mehr über das Leben und die Einstellungen der Charaktere.

Betty, die Regisseurin, die nicht nur mit Herrn M., sondern bereits mit all' seinen Vorgängern wenig Glück hatte. Jon, der alle Klischees eines alternden Schauspielers zu erfüllen scheint, und trotzdem noch auf seine schwarz gefärbten Haare setzt. Und schließlich das Paar Henning und Martha, welches sich alljährlich im Juni trennt, und jetzt vielleicht doch einer gemeinsamen Zukunft entgegen lebt.

Dies alles und noch viel mehr erfährt man zwar bruchstückhaft, jedoch ungemein unterhaltsam. In ihrem spritzigen Stil, der souverän die Worte setzt, aber auch überzeugend mit ihnen spielen kann, versteckt Lucy Fricke viel Wortwitz und Ironie. Wem Formulierungen wie „keine 25 und hängt schon am Leben“ oder „das Hirn eingehäkelt wie eine Klorolle“ nicht gefallen, der sollte wenigstens folgenden Rat beherzigen „Es gab in einer Krise nichts Besseres als Freunde zu besuchen, denen es richtig mies ging.“.

 

Vielen Dank an Vorablesen für diesen schönen Vorgeschmack auf junge deutsche Literatur, den ich gerne weiter genießen würde.