Tiefgründiger Roman über das Leben

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werliestsowas? Avatar

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„Leben ist ein Geschenk. Man kann’s nur einmal auspacken..“ Wenn man noch die Zeit dazu hat. Und die hat der Student Lazar möglicherweise nicht mehr, als er kraftlos von seiner Wohnungsnachbarin Vita im Treppenhaus aufgelesen wird.
"Vita hätte immer gern ein anderes Leben gehabt, aber sie wusste nicht, was für eins." Sie hat ihr Leben angenommen, wie es gekommen ist. Bei der Berufswahl, bei der Wahl des Ehemanns und dessen Tod. Ihr Sohn ist ausgewandert und meldet sich nur noch sporadisch. Jetzt im Alter reflektiert sie ihr Leben nicht ohne eine gewisse Melancholie. "Vita stellt sich vor, wie die Tage in einem Zeitloch verschwinden, sie falten sich lautlos zusammen und schlüpfen ins Nichts." Aber sie hat ja funktioniert. Es war eben so, "wie es zu sein hatte."
Der Gegenpol zu Vita ist Lazar. Er hat noch viele Pläne, möchte noch so viel erfahren. Stellt ganze Listen der Dinge auf, die er noch erleben möchte. Sehnt sich nach einer glücklichen Liebesbeziehung. Lebt diese in seiner Phantasie aus. Aber seine Tage sind wohl gezählt.
Vita und Lazar finden sich zusammen und geben sich gegenseitig Halt. Vita erhält durch ihre Fürsorge an Lazar einen neuen Lebensinhalt, Lazar hat einen Menschen, an dem er sich festhalten kann, wenn es ihm schlecht geht. Lazars jugendlicher Übermut bringt Vita aus ihrem gewohnten Trott. Als sich Lazars Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert, fassen die beiden den Entschluß zu einer letzten großen Reise.
Einsamkeit im Alter, todbringende Krankeit. Was ist Leben? Man hätte daraus einen deprimierenden Roman machen können. Hier aber nehmen Galgenhumor und eine zauberhaft verspielte Sprache den Themen viel von ihrem Gewicht. Dabei wird keineswegs verharmlost. Man erfährt durchaus durch welche Höllen der Kranke immer wieder geht. Wie die Hoffnung immer wieder aufflammt, um dann doch wieder zu erlöschen. Vitas Sehnen nach einem anders gelebten Leben.
Ein sehr tiefgründiger Roman, der sich trotzdem mit viel Vergnügen lesen lässt. Aber auch ein Kratzen im Hals auslöst. Er bietet bezaubernde Vergleiche und eine Unmenge anstreichbarer Zitate. Leider habe ich irgendwann, ob der Fülle, aufgegeben diese zu unterstreichen. Sonst wäre das ganze Buch vollgekritzelt. Und dafür war es mir zu schade.