Ida

Ein bewegtes Leben einer bewegenden Frau

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hexxe Avatar

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Als Ida Adler-Bauer 1941 auf Ellis Island in New York eintrifft, bestätigte der Einwanderungsarzt ihr einen"physischen und mentalen guten Gesundheitszustand". Das amüsierte die 58jährige sehr.
War sie doch einst eine Patienten des berühmten Dr. Freud aus Wien, der ihren Fall als "Dora" an die Weltöffentlichkeit brachte.

Aber nicht nur deswegen ist das Buch interessant, es beinhaltet die komplette Biografie einer bewunderswerten, eigenwilligen Frau des 20. Jahrhunderts, die anfangs als reiches Industriellentöchterchen aufgewachsen ist, es aber geschafft hat, eine Menge Unwägbarkeiten des Lebens zu überwinden und zwei Weltkriege zu überleben.

Katharina Adler schafft es, eine runde Biografie aus einem sehr unrunden Leben ihrer Urgroßmutter zu gestalten. Der Sprachstil - gehalten im Stil der Jahrhundertwende - gehört ebenso dazu, wie die Zeitsprünge zwischen den Jahrzehnten, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten.

Und damit schließt sich der Kreis nicht zuletzt zu Themen, die in der heutigen Zeit wieder aktuell sind: Psychische Krankeiten und Flüchtlingsleben. Glücklicherweise haben sich die Therapieansätze inzwischen weiterentwickelt, traurigerweise ist uns ein wenig Menschlichkeit abhanden gekommen...

Mir persönlich gefällt es, dass aus einer "kleinen Hysterikerin" von 18 Jahren eine bodenständige, mental starke Frau geworden ist, die trotz allem persönliche Gefühle nicht unterdrückt. So hätte ich sie nicht als Schwiegermutter haben wollen, hätte sie aber gerne als Freundin kennengelernt.