Auftakt zu einer neuen Serie

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moehrchen Avatar

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Die Autorin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Kate Rhodes wurde in London geboren. Sie lehrte jahrelang an amerikanischen und britischen Universitäten, heute lebt sie in Cambridge. "Im Totengarten" ist Auftakt zu einer Serie um die Kriminalpsychologin Alice Quentin.

Die für die Polizei tätige Psychologin Alice Quentin findet beim Joggen die Leiche einer jungen Frau. Der Zustand der Leiche erinnert an die sogenannten Southwark-Morden, doch die damaligen Täter - ein Ehepaar - sind tot bzw. sitzen hinter Gittern. Handelt es sich um einen Trittbrettfahrer, der die Morde nachstellt? Noch ehe es sich Alice versieht ist sie in das Visier des Mörders geraten...

Die Ich-Erzählerin Alice Quentin hatte eine schwere Kindheit und kümmert sich um ihren Bruder, der drogenabhängig ist. Sie schleppt ihre Vergangenheit immer mit sich herum und hat Schwierigkeiten sich in kleinen dunklen Räumen aufzuhalten. Was sie eigentlich schwach erscheinen lässt, macht sie am Ende dann stark und lässt sie so einiges aushalten.

In diesem Buch liest man wenig über die eigentliche Ermittlungsarbeit. Alice wird zwar ab und an hinzugezogen, wenn es darum geht Leute zu befragen, aber das eher selten. Man geleitet Alice im Alltag, erlebt wie sie mit ihrem Bruder, ihrer Mutter und ihrer besten Freundin Lola, die vorübergehend bei ihr einzieht, umgeht und wie sie dann doch mal ein wenig das recherchieren anfängt... aber wirklich nur ein wenig. Irgendwie kommt man sich beim Lesen fast wie ein Voyeur vor und genau das hat mir gut gefallen. Die Autorin hat es geschafft, dass ich vom Leben Alices gefesselt war und mich die Ermittlungsarbeit eigentlich nicht sehr interessiert hat. Klar möchte man wissen, wer denn der Killer ist aber das Auffinden dessen interessiert nicht so wirklich, da man weiß, dass er irgendwann zu Alice kommen wird. Ich muss zugeben, dass ich auf den wahren Täter nie gekommen wäre, auch wenn es im Nachhinein betrachtet schon ein paar Hinweise gab.

Am Anfang fand ich es langweilig, dass die Autorin immer wieder beschreibt, wie Alice durch die Straßen Londons läuft oder radelt aber so im Nachhinein betrachtet hat genau das zu der besonderen Atmosphäre des Buches beigetragen und wurde auch schnell irgendwie interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass das für Londonkenner noch interessanter ist.

Kein Thriller für Leute, die gerne die Ermittlungsarbeiten verfolgen aber einer für alle, die gerne ein vermeintliches Opfer begleiten wollen. Mir hat das Buch gut gefallen und ich freue mich schon auf eine Fortsetzung der Reihe um die Kriminalpsychologin Alice Quentin.