Eine Ohrfeige in Dublin

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jerk Avatar

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Inhalt:
Pepys Road, London, England. Die Häuser wurden im Laufe der Jahre immer mehr wert. Nur noch eine alte Dame wohnt dort seit ihrer Geburt. Immer wieder landen Postkarten mit fragwürdigem Inhalt in den Briefkästen. Die Bewohner sind verunsichert. Jeder lebt sein Leben, versucht mit den täglichen Absurditäten zurecht zu kommen und kann so etwas überhaupt nicht gebrauchen.

Meinung:
Je weiter ich in das Buch vordrang, desto mehr stellte sich mir die Frage, ob das der englische Titel “Capital“ weniger das Wort Kapital beschreiben sollte, als vielmehr den Begriff „Hauptstadt“. Die Geschichte mag zu einer Zeit spielen, in der das Wort Finanzkrise in aller Munde ist, aber so wirklich im Leben der Menschen in diesem Buch eher selten vorkommt. Zum Ende mehr, jedoch nur auf Einzelpersonen bezogen.
In meinen Augen handelt es sich mehr um eine Gesellschaftsstudie und den täglichen Alltags- und Überlebenskampf in einer Stadt, in der selbst das kleinste Loch kaum zu bezahlen ist. Ob es sich nun dabei um einen Banker handelt, der trotz extrem hohen Verdienst darum bangen muss, seine Rechnungen bezahlen zu können oder es sich um eine sog. illegale Einwandererin handelt, die zu den Opfern einer absurden Ausländerpolitik gehört; ich fühlte mich mehr an Joyces Dublinstudie „Ulysses“ erinnert, als an ein Buch, dass sich tatsächlich mit den Auswirkungen der Finanzkrise beschäftigt.
Das Buch ist packend geschrieben, hat interessantere Charaktere und es hat absolut Spaß gemacht es zu lesen. Die kurzen Kapitel geben dem ganzen auch einen Hauch von Geschwindigkeit ganz im Sinne der Hemingway´schen kurzen Sätze. Mit anderen Worten: ich war begeistert.
Wer Bücher mochte wie bereits erwähntes Werk von James Joyce (oder auch sein „Dubliners“) oder „Die Ohrfeige“ von Christos Tsiolkas (um ein aktuelleres Beispiel zu nennen) kann bedenkenlos zugreifen.