Ein bisschen Klack schadet nicht!

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schokofee Avatar

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KLACK

Eine Geschichte in Bildern. Eine Mann betritt den Speicher seines Hauses und entdeckt alte Fotos. Erinnerungen werden wach. Er, ein Teenager, lebt irgendwo in Norddeutschland. Er gewinnt auf dem Rummel 1961 seine erste Kamera. Eine Agfa. Das erste Bild dieser Kamera, zeigt Beine. Es handelt sich um die Beine seiner älteren Schwester und deren Freunde auf dem Rummel. Die 60er Jahre in Bildern: Halbstarke, geprägt von Stars wie Horst Buchholz, Cornelia Froboes und „Den glorreichen Sieben“, dem drohenden Mauerbau, dem Misstrauen anderen Ländern gegenüber bzw. den fremden Gastarbeiterfamilien. Interessante Dinge sind „knorke“ und werden mit passenden „Werbesprüchen“ der Spots keimender Filmindustrie beschrieben. In dieser Zeit entdeckt der Junge sein Interesse zum anderen Geschlecht. Nebenan ziehen in eine leere Baracke Italiener. Besonders die Tochter der Familie, Clarissa, hat es dem jungen Buben angetan. Er möchte die exotische Schönheit kennenlernen. Aber wie soll das gehen. Seine Oma beäugt die Nachbarn kritisch und vermutet das Schlimmste, Verdorbenste. Aber genau das macht die Geschichte für den jungen Erzähler noch interessanter. Er versucht letztendlich als Helfer beim Aufbau einer Eisdiele der Familie näher zu kommen und erhält dafür Gitarrenunterricht beim Vater des Mädchens.
Zuhause macht sich immer mehr das Wirtschaftswunder bemerkbar. Man schaut zusammen fern, die Mutter kocht und der Vater ernährt die Familie. Man lässt einen Franzosen unterm Dach wohnen, was der Tochter des Hauses gefällt. Die Jugend tanzt zu Elvis und Peter Kraus. Zum einen herrscht Spießbürgertum, wo bereits der Fortschritt Einzug hält. Allein die Szene zu Weihnachten: Die Tochter möchte eine farblich abgestimmte Weihnacht, während die Mutter das traditionell-praktisch Geschmückte bevorzugt. Tradition gegen Moderne. Alles wirkt auf bizarre Weise vertraut, da man es - wie ich – von Filmen und Erzählungen genauso kennt. Und dennoch ist es schon so weit weg, dass man über so viele Dinge nur mit dem Kopf schütteln kann, weil nicht mehr nachvollziehbar. Ein amüsant und locker geschriebener Roman über ein Stück Alltag kürzlicher Vergangenheit, amüsant und locker geschrieben. Aufgemischt mittels bekannter, klassischer Werbeslogans, was auch auf jüngere irgendwie vertraut wirkt. Die ersten Bilder der ersten Kamera, chronologisch angeordnet. Wie eine Bildergeschichte aneinandergereiht und erklärt. Sehr amüsant und lehrreich. Denn irgendwie vermittelt der Roman auch ein Stück Geschichte – Mauerbau, Norddeutsche Sturmflut, Kubakrise usw., ohne lehrreich sein zu wollen. So wie sie die Allgemeinheit zu jenen Tagen erlebt hatte. Aber aus der Sicht eines Teenagers. Sehr zu empfehlen! Nicht nur für Leute, die in den 60ern Halbstarke waren!