Verlust im Leben

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In Pia Ziefles Roman "Länger als sonst ist nicht für immer" ist das zentrale Thema Verlust. Alle drei Figuren haben in ihrer Kindheit etwas verloren, Lew hat seine Eltern verloren, die im DDR Regime nicht länger leben konnten und deshalb in den Westen geflohen sind. Er erinnert sich an seine Kindheit, an seine Tage als talentierter Turmspringer, der aufgrund der Flucht seiner Eltern an einer internationalen Karriere gehindert wurde, an seinen Bruder und an das qualvolle Leben mit den neuen linientreuen Ersatzeltern. Der Leser lernt die Figur des Lew in Indien kennen, auf der Suche nach seinem Vater und einer Erklärung für den Tod seiner Mutter. Durch die Begegungen mit einem indischen Jungen erinnert er sich an seine eigene Kindheit und die Begegnung gibt ihm eine Art von innerem Frieden.
In einem süddeutschen Dorf erinnert sich Ira an ihre Kindheit, an die kalte, gefühlose Mutter, die der Tochter keine Kindheit bieten kann, an den Vater, der es versucht aber wegen seiner Frau trotzdem scheitern muss. Und sie denkt an ihre Tage und Nächte mit Fido, dem Träumer, der von einem Leben in Freiheit träumt. Über Fido erfahren wir nur etwas von Ida, er lebt als Figur in ihren Erinnerungen und Erzählungen. Ira erzählt, wie er mit seinem Großvater aus Jugoslawien kam und sie zusammen in Deutschland seine Mutter suchten, die jedoch von ihrem Kind nichts mehr wissen will und eine neue Familie geründet hat. Das Leben der Figuren ist geprägt von äußeren Einflüssen und Umständen, denen sie sich nicht entziehen können, sie sind wie ein kleines Papierboot auf der stürmischen See und versuchen trotz der nicht mehr zu ändernden Vergangenheit zu leben.
Pia Ziefle zeigt in ihrem zweiten Roman, wie Menschen mit Verlust und Schmerz im Leben umgehen, zeigt Szenen der alltäglichen Menschlichkeit. (Ira in der Bäckerei mit ihrem Sohn und der Bäckerin Evi, Lew in Indien mit dem Jungen Rajesh in Indien. Die Geschichte wechselt zwischen den verschiedenen Schauplätzen und man lernt das Innerste der Figuren gut kennen, an einigen Stellen hätte ich mich noch ein tieferes Eintauchen in die Gefühlswelt der Figuren gewünscht, da bleibt die Sprache für mich manchmal zu sehr an der Oberfläche. Dies ist aber auch der einzige kleine Kritikpunkt an dem Roman und ich habe mich über mehrere Abende sehr gut unterhalten gefühlt und wollte mehr wissen über die Sehnsüchte und Ängste der drei Protagonisten.