Vom Festhalten und Loslassen

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Pia Ziefle führt in ihrem zweiten Roman "Länger als sonst ist nicht für immer" die Lebensfäden ihrer drei Protagonisten Ira, Fido und Lew zusammen, um sie einfühlsam, zärtlich und doch durch ihre Suche nach sich selbst, den eigenen Wurzeln und dem Gefühl von Heimat stets lose unverbunden miteinander zu verflechten. Sie erzählt von Liebe und Verletzungen, von dem Wunsch nach Nähe und gelebter Distanz, Festhalten und Loslassen sowie von Themen, die in unseren Familien weitergegeben werden und uns mehr beeinflussen, als uns bewusst ist. Kindheitserinnerungen - in der schwäbischen BRD, in der DDR und in Jugoslawien - werden eng verknüpft mit der Gegenwart der drei Hauptfiguren, um durch diese Verbindung eine erfüllte Zukunft erst zu ermöglichen.
Pia Ziefle ist es wieder ausgesprochen gut gelungen, die Charaktere, Lebens- und Innenwelten liebevoll und detailliert auszuarbeiten. Im Vergleich zu ihrem Debütroman "Suna" fand ich den Lesefluss durch die vielen Absätze und Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit etwas holprig und das Ende im Verhältnis zum restlichen Roman zu abrupt, was mir das Lesen und das Nachwirken des Romans etwas erschwert hat.
Insgesamt hat mich der Roman nachhaltig berührt und erfüllt, sodass ich ihn gerne Lesern anspruchsvoller Gegenwartsliteratur weiterempfehlen möchte.