Verdammt!

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stephi Avatar

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Warum in Gottes Namen musste die Leseprobe ausgerechnet in dem Moment enden, als die erste richtig spannende Situation ansteht?! Es ist zum Heulen.

Harry Hole geht es nach dem Schneemann-Fall denkbar schlecht. Er hat sich nach Hongkong abgesetzt und ist ziemlich schnell ziemlich weit unten gelandet. Opium, Alkohol und massive Spielschulden bestimmen sein Leben. Als eine junge norwegische Polizistin auftaucht und ihn zurück holen soll, wird schnell das ganze Ausmaß seiner körperlichen und seelischen Verfassung deutlich. Harry Hole ist ausgebrannt und leidet sehr unter den Erlebnissen.

Die Beschreibungen Hongkongs sind facettenreich und interessant. Schnell hat man ein Bild von Garküchen und Massenunterkünften vor Augen. Gleiches trifft auf Harry Hole zu. Sowohl körperlich als auch charakterlich wird er sehr detailliert dargestellt. Seine seelische Not wird mehr als deutlich, als er von seinem eigentlich geplanten Selbstmord berichtet. Ausgehend von dem aus "Schneemann" bekannten toughen Ermittler ist der Harry Hole in Leopard ein ganz anderer Mensch, der keine Ziele mehr hat und nur noch in den Tag hinein lebt.

Einzig sein Vater scheint ein Grund dafür sein zu können, nach Norwegen zurück zu kehren. Und gerade als die Entscheidung ansteht, endet die wirklich tolle Leseprobe, die unerwartet vielschichtig und spannend ist. Einzig das lange "Geheimhalten" des Namens des Mannes in Hongkong erschien mir etwas sinnlos. Immerhin wird im Klappentext bereits darauf verwiesen, dass er sich nach Hongkong abgesetzt hat. Da muss man doch nun nicht noch aufgesetzt für Spannung sorgen wollen. Aber gut, es gibt Schlimmeres und hat das Lesevergnügen für mich in keiner Weise getrübt.

Besonders der beklemmende und brutale Einstieg hat mich gefesselt, so dass ich selbst während der Leseprobe nur ungern Unterbrechungen in Kauf genommen habe und das will schon was heißen.