Überzeugendes Jugendbuch

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stephi Avatar

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Robert Sonntag, Sohn einer Millionärsfamilie, wird entführt. Sein Entführer ist ein Mitarbeiter seines Vaters, welcher wiederum nach dem Tod von Roberts Opa die Geschäfte übernommen hat. Mehrere Wochen befindet sich das Kind in der Hand des Entführers und einzig seinem Opa hat er es zu verdanken, dass er nicht die Nerven verliert und verschiedene schwierige Situationen meistert. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der tote Opa eine Hilfe sein soll - ganz einfach, Robert meint, die Seele seines geliebten Opas ist bei ihm geblieben und steht ihm nun mit Ratschlägen zur Seite.

Wie man es wohl von einem Jugendbuch erwarten darf, geht die Entführung glimpflich aus - zumindest für Robert. Dennoch ergeben sich nach seinem Freikommen Fragen, die die bisherige Handlung in Frage stellen. Für einen erwachsenen Leser ist diese Wandlung sehr leicht zu erahnen, aber unter der Voraussetzung, dass es sich bei diesem Buch um ein Jugendbuch handelt, ist die Wendung durchaus gelungen und vor allem gut konstruiert. Obwohl voraussehbar, ist die Handlung nicht unglaubwürdig. Wolf lässt seine Figuren vom Beginn des Buches an auf den Ausgang hinarbeiten, was die Handlung nachvollziehbar und glaubhaft macht.

Dass das Ende ziemlich offen bleibt, würde mich bei jedem anderen Krimi vermutlich enttäuschen, in diesem Fall jedoch finde ich diese Lösung ziemlich gelungen. Obwohl vom Autor keine Lösung vorgegeben wird, deutet er zumindest eine mögliche Richtung an. Somit kann jeder Leser für sich selbst entscheiden, wie er die Geschehnisse interpretiert. Unter der Voraussetzung, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, finde ich dieses Ende sogar sehr passend.

Natürlich ist die sprachliche Gestaltung des Buches auf die Zielgruppe ausgerichtet, was dem älteren Leser nicht verborgen bleibt. Die Geschichte wird aus der Sicht von Robert mit Hilfe eines Ich-Erzählers vermittelt. Dadurch können die Gedankengänge des Jungen zum einen natürlich sehr detailliert dargestellt werden, andererseits wird die Handlung durch Überlegungen und Kommentare Roberts aufgelockert. Hinzu kommt, dass sich junge Leser vermutlich leicht mit der Person Robert identifizieren können, da er der breiten Masse der Jungen in seinem Alter zumindest weitestgehend entsprechen dürfte.

Das Besondere an dem Buch ist natürlich die Verbindung Roberts zu seinem verstorbenen Opa und die Tatsache, dass er allein durch seinen Glauben so viel Kraft aus der Verbindung zwischen ihnen schöpfen kann. Fast alle Ideen, die er natürlich selbst entwickelt, schreibt er seinem Großvater zu. Das mag im ersten Moment etwas ungewöhnlich wirken, aber man darf beim Lesen nicht vergessen, dass es sich bei Robert um einen 10-jährigen Jungen handelt, der in einer schwierigen Situation einen klaren Kopf behält. Wie das letztlich geschieht, ist dabei nebensächlich. Abgesehen davon zeigt dieses Buch natürlich eindrucksvoll, dass der Glaube eines Menschen (und hier wage ich zu behaupten, dass das Alter des Menschen unerheblich ist) Berge versetzen kann.

Alles in allem ist „Licht am Ende des Tunnels" ein gelungenes Jugendbuch, was durchaus auch erwachsenen Lesern ein paar schöne Lesestunden bereiten kann.