Rezension zu: Liebe ist nichts für Feiglinge, Kristine Gasbarre

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yasemine Avatar

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Bei Kristine Gasbarres „Liebe ist nichts für Feiglinge“ handelt es sich um ein überaus persönliches, feinfühliges und zugleich realistisches Werk. Es zu lesen hat mir erlaubt, unterschiedlichste Emotionen mit der Autorin zu durchleben. Doch beginnen wir beim Anfang:
Kristine befindet sich auf ihrer Reise in ihre Heimat, in die Staaten. Ihr Besuch ist ein ernster – denn ihr Großvater liegt im Sterben. So verlässt sie kurzzeitig Italien, um bei ihrer großen Familie sein zu können. Es werden bewegende Momente beschrieben. Ihr Großvater stirbt. Dies alles wird in einer Rückblende erzählt.
Kristine kehrt danach zwar wieder zu ihrer Stelle als Babysitterin in Italien zurück, jedoch findet sie sich verwandelt vor, denkt über vieles nach, ihr Leben, ihr Sein, ihren Wunsch, zu schreiben. Sie ist apathisch und begreift: Nach New York und Europa muss sie wieder zu ihrer Familie zurück.
Und die Familie befindet sich in einer amerikanischen Kleinstadt.
Mit 28 erneut im Kinderzimmer des Elternhauses.
Das Leben scheint hier geregelt.
Alle leben friedlich ihren Lauf des Lebens.
Die meisten ihrer gleichaltrigen Bekannten haben sich für das klassische amerikanische Modell entschieden: die/den Freund aus dem College als Ehemann/-frau, eine Hypothek, ein Baby.
Wieso konnte sie nicht auch einfach diesen Weg gehen?
Es scheint der so viel einleuchtendere.
Und nun sitzt sie hier – mit ihren 28, 29, gut ein Jahr zuhause, fast 30 und kein Mann, keine Kinder, keine Karriere, nichts. Nur der Wunsch nach einem Sinn im Leben, der Wunsch nach Verwirklichung, egal wie sie aussieht.
Sie bleibt gut ein Jahr bei ihrer Familie.
Sie liebt sie so sehr, dass sie einfach nicht anders kann. (Zusätzlich zu den oben genannten Gründen).
Wie gut, dass es auch ihrer Großmutter gerade recht kommt, dass Kristine so viel Zeit für sie erübrigen kann. Denn die Großmutter ist nun sehr alleine. Ihre Grandma muss ebenso ihren Weg finden. Sie mögen sich an unterschiedlichen Lebensstationen befinden – doch beide haben mir ihrer Einsamkeit zu kämpfen und mit ihrem Verlust, mit ihrem „Nicht-Wissen-Wohin“.
Die beiden Generationen klären in vielen Gesprächen ihre Sozialisation, die sich ganz besonders im Bezug auf die Liebe und Ehe stark voneinander unterscheidet. Diese Einsichten und Weisheiten stellen die Überschriften der jeweiligen Kapitel dar und finden dann lebendig und klar ihren Platz in Kristines Leben. Der auf wahren Begebenheiten und Gesprächen basierende Roman gestaltet sich zugleich sehr wegweisend und reinigend.
Die beiden Damen profitieren voneinander – die junge lernt zu verstehen, dass eine gut funktionierende Ehe sehr viel mit Mut und Einsatz zu tun hat. Die betagte lernt, dass frau auch alleine lebendig sein und Entscheidungen treffen kann. Zum Ende des Buches hin entschließt sich die Großmutter sogar dazu, eine Reise zu unternehmen – ihre erste alleine unternommene Reise!
Und unsere junge Dame lernt, einfach im Moment zu sein, mit sich selbst und dem Leben eins zu werden, zu akzeptieren, was ist. Natürlich – man wünscht ihr sehr, dass sie in ihrem Christopher, dem attraktiven Arzt, ihren Seelenpartner findet. Zumindest ich hätte es ihr gewünscht.
Vielleicht tut sie das auch.
Denn sie versteht, das allumfassende, unbegreifliche Wesen der Liebe ist zu riesig, als es einfach in eine Box namens Vater-Mutter-Kind zu sperren. Vielmehr wird es aus sich heraus entstehen, wenn es denn so ist.
Kristine begibt sich daher am Ende dieser Lebensphase auf die Suche nach einer Wohnung in New York, beginnt, ihren beruflichen Weg zu gestalten und ihr Leben weiter zu gehen. Frisch und ganz neu.

Wer auf ihre Homepage sieht, wird feststellen, dass diese Frau nun unter anderem auch für die Internet-Seite „How about we...?“, eine amerikanische Dating-Plattform, schreibt. Wir freuen uns für sie!

Das Buch:
Lesenswert !!!